23.12.2003 · Kurz vor Schluß noch einmal ein Beispiel, wie Gäste eine Sendung ruinieren können: Der Schauspieler Ralf Bauer durfte zur vorletzten Ausgabe der Harald Schmidt Show kommen und plapperte sie ungebremst in Grund und Boden.
Vermutlich werden die meisten Gäste der Harald Schmidt Show einige Wochen vor ihrem Auftritt eingeladen. Nur so ist es zu erklären, daß es der Schauspieler Ralf Bauer in die vorletzte Folge am Montag abend geschafft hat. Am 8. Dezember legte Harald Schmidt mit der Bekanntgabe seiner Kreativpause die Chronologie des Abschieds fest. Bauer war wohl schon vorher gebucht. Nun durfte er also schon zum fünften Mal kommen. Das war schade, denn er hat die Sendung ruiniert.
Dabei hätte er sie retten können. Sie war bis zu seinem Auftritt ohnehin schon pflegebedürftig. Schmidt schleppte sich indisponiert über die Runden, ließ sich von einer Producerin namens Andrea mit Rasierschaum einseifen, von einem offenbar homosexuellen Männerchor in kurzen schwarzen Lederhosen besingen, besprach lustlos den Anrufbeantworter eines Studiogastes und spekulierte zu allem Überfluß noch ausgiebig über seine Nachfolgerin Sandra Maischberger, die, wie wir inzwischen wissen, nun doch Anke Engelke heißt. Kurzum: Bauer hatte alle Chancen.
Sachen im Mund
Schmidt log anfangs gewohnt nett, als er Bauer als „Top-Gast“ ankündigte, aber es nutzte alles nichts. In einem Anfall von Sprechdurchfall plapperte der Schauspieler ungefragt die Sendung nieder. Jede seiner Geschichten ging mit Sätzen los wie „Ich habe da eine nette Sache“, oder „Das muß ich noch erzählen“. Also erfuhren wir, was wir schon wußten. Daß nämlich Schauerspielerkollege und Ersatzvater „Blacky“ (Fuchsberger) sich unter den Augen von „Gundel“ (Fuchsbergers Frau) kürzlich in einer Postfiliale mit einem „Gast“ (Fuchsbergers Gegner, gemeint war wohl ein Kunde) geprügelt hat. Und da Bauer gerade dabei war: „Ganz liebe Grüße von einem großen Verehrer. Er findet es traurig, daß Du Pause machst. Es gibt wenige wie Du.“ Da fehlte nur noch das Bussi links und rechts. Und ein Duden.
Aber es kam noch schlimmer, denn jetzt redete Bauer über sich selbst. Vielmehr: Schmidt ließ ihn reden. Über die Verfilmung von „Wintersonne“, einem Roman von Rosamunde Pilcher, über seine Vorliebe zu rezitieren („Von Shakespeare bis Heinz Erhardt“), über Mozart-Briefe, die Bauer gerade liest und auswendig lernt. Er sei jetzt „Mozart-Interpretator“. Hier verbirgt sich offenbar echte, tiefe Leidenschaft: „Du weißt, daß ich gerne von großen Menschen Sachen in den Mund nehme.“
Da war er wieder, der Fluch des beinahe täglichen Talks: „Top-Gäste“ gibt es kaum noch, und die, die kommen, waren schon überall und haben meist wenig zu bieten außer Versprechern. Ein Problem, mit dem sich demnächst auf diesem Sendeplatz also Anke Engelke herumschlagen muß. Eigentlich nur fair, daß es am Ende auch Harald Schmidt noch einmal erwischt hat, der ausgerechnet an diesem Abend den übrigbleibenden Kerners, Beckmanns und Maischbergers einen eskalierenden „Krieg um die Gäste“ vorhersagte. Insofern: Danke, Ralf.