18.12.2003 · Nach der Zirkus-Show am Dienstag war die Erwartungshaltung tief im Keller. Am Mittwoch aber war Harald Schmidt wieder in Höchstform - und erfand sogar einen neuen Kaffee.
Wehmut, das ist das richtige Wort. Da plätschert die Legende so vor sich hin, blutet aus, verliert an Charisma und ist doch immer noch auf Sendung.
Eigentlich wäre der große Bäng, dachte ich, doch die sauberere Lösung gewesen. Mit dem zirzensischen Dienstag, an dem der Meister den Schergen die Manege überlies, war meine Erwartungshaltung am Tiefpunkt angekommen. Nach dem offenen Disput vom letzten Freitag war in dieser Woche aber nicht nur der Teamgeist zurückgekehrt, auch die gewohnte Spontaneität und Gehässigkeit blühten erneut auf.
Geheime Leidenschaften
Das Adventstürchen Nr. 17 gehörte zu den Highlights des Abends. Ralf Kabelka alias „Dr. Udo Brömme“ präsentierte in Schottenkluft seine geheime Leidenschaft, das Dudelsackspiel. Auch ganz ohne Dudelsack konnte er den momentan umherziehenden Sternsingern, „so eine Art katholische Indios“, den Rang absingen. Zum Abschied ließ er nackte Tatsachen sprechen, was Harald nur mit einem trockenen „So haben wir uns auch kennengelernt, nur daß ich damals den Rock trug“ kommentierte.
Capresso, der ist doch neu
Mit Harald und Manuel an der Studiotheke hatten die Gäste schon vor der Sendung einen herben Spaß. Nach leichten Anlaufschwierigkeiten bekamen die beiden den Laden voll in den Griff, Harald entdeckte seine italienische Ader neu, erfand den Capresso, kümmerte sich rührend um kartenlose Gäste und führte einen Autogrammjäger ohne Kuli lautstark und gnadenlos vor. Der Appell an die Schadenfreude traf hier mal wieder ins schwarze.
Der Visionär
Wirklich visionär wurde es, als die Infrastruktur rund um die Köln-Mülheimer Studios umgeplant wurde. Quasi als Schützenhilfe für die über Starbucks beheimateten Viva-Studios wurde an alles gedacht. Kein Verkehrsmittel kam zu kurz, so daß sich das komplette Equipment eines mittelgroßen Modellbauladens schnell zu einem ultimativen und keine Wünsche offen lassenden Verkehrsinfarkt zusammenfügte. Hier war er ganz in seinem Element, der Visionär, der Städteplaner, der Organisator. Danach war leider die Luft raus, und es ging steil bergab.
Viva sucht Elton in jung und dünn
Mit Gülcan Karahanci, der sympatischen Dauermoderatorin aus den benachbarten Viva-Studios, begann für Harald Schmidt im letzten Teil der Sendung die Erholungspause. Sie übernahm seinen Part und versuchte auf lieblos gestellte Standardfragen amüsant und vieldeutig zu antworten. Ihre Steilvorlagen - wie die platonische Beziehung zu Mustafa, „dem Dieter Bohlen der Türkei“, oder der chronische Nachwuchsmangel bei den Moderatoren von Viva, aufgrund dessen Gülcan um Kandidaten wie Elton („nur jünger und dünner“) warb - ließ Harald Schmidt fast ungenutzt vorbeiziehen und bereitete sich schon frühzeitig auf das Ende der Sendung vor.
Nicht ganz überraschend kam dann gen Ende auch die Frage an Andrack: „Machen wir Schluß jetzt, wie ist es denn, reicht die Zeit?“
Da rettet uns nur das Setup für die letzten vier Sendungen vor der großen Schaffenspause. Mit Bettina Zimmermann, dem berüchtigten Late-Night-Wichteln, Ralf Bauer und dem Werkschor geht die Show in die letzten Runden. Ich freu mich drauf, glaub ich.