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Veröffentlicht: 24.11.2016, 09:10 Uhr

Habsburgermonarchie Die Kunst des Ausgleichs

Für viele Historiker war die Habsburgermonarchie lange ein Feindbild. Das ändert sich gerade – und damit auch das Bild des „ewigen Kaisers“.

von Arnold Suppan
© Picture-Alliance Erzherzog Ferdinand Maximilian von Österreich wurde als Sohn von Erzherzog Franz Karl, dem jüngeren Sohn von Kaiser Franz I., und Prinzessin Sophie von Bayern in Wien geboren. Er war der jüngere Bruder von Kaiser Franz Joseph aus dem Haus Habsburg.

Seit April dieses Jahres strömen täglich Tausende Touristen aus aller Welt zum Schloss Schönbrunn und in die Österreichische Nationalbibliothek. Sie besuchen Ausstellungen anlässlich des hundertsten Todestages Kaiser Franz Josephs I. am 21. November. Immer noch ist der oft porträtierte und fotografierte Kaiser und König mit seinen achtundsechzig Regierungsjahren der Monarch, der in Europa am längsten herrschte. Nicht nur Historiker und Politiker fasziniert bis heute, wie Franz Joseph ein Reich von 676.000 Quadratkilometern mit mehr als einundfünfzig Millionen Einwohnern, in dem Angehörige von elf Nationalitäten (Deutsche, Magyaren, Tschechen, Polen, Ruthenen, Rumänen, Kroaten, Serben, Slowaken, Slowenen und Italiener) mit sieben Konfessionen (römische und unierte Katholiken, calvinische und lutherische Protestanten, Orthodoxe, Juden und Muslime) lebten, relativ friedlich regieren konnte.

Erstaunlicherweise hat die Beschäftigung mit dem „ewigen Kaiser“ und seinem Reich in den letzten Jahrzehnten wieder stark zugenommen - nicht nur in Österreich und den anderen Nachfolgestaaten, sondern vor allem in den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich und Italien. Der Anfang seiner Regierungszeit am 2. Dezember 1848 war von Revolutionen geprägt. Die Wiener Oktoberrevolution war zwar bereits unterdrückt, aber Ungarn und Oberitalien befanden sich im Aufstand. Daher rieten die Minister und Generäle zur Auflösung des Parlaments und zu absoluter Herrschaft. In Oberitalien setzte sich Feldmarschall Radetzky durch, in Ungarn benötigte der junge Kaiser die Hilfe des Zaren und seiner Armee. Das „neoabsolutistische“ Regime des bürgerlichen Innenministers Bach betrieb nun - entgegen den zeitgenössischen Tendenzen des Liberalismus und Nationalismus - eine „Revolution von oben“, die eine umfassende Modernisierung der Verwaltung und des Unterrichtswesens durchführte sowie die für die Bauern wichtige Grundentlastung.

Handels- und Finanzminister Bruck fasste die Gesamtmonarchie zu einem Zollgebiet zusammen, förderte den Eisenbahnbau und unterstützte 1855 die Gründung der „Österreichischen Credit-Anstalt für Handel und Gewerbe“. Als Gegenmodell zum Deutschen Zollverein entwickelte er den Mitteleuropa-Plan eines „Reichs der 70 Millionen“. Durch das Konkordat von 1855 erhielt das österreichische Kaisertum eine neue Legitimation als „katholische Großmacht“.

Kaisertum im Zweifrontenkrieg

Aber das absolutistische Regime hinterließ mit seiner kostspieligen Großmachtpolitik im Krimkrieg und im Krieg in Oberitalien 1859 eine Staatsschuld von drei Milliarden Gulden. Franz Joseph verlor nicht nur seine Vorherrschaft in Italien, sondern benötigte jetzt die österreichischen und ungarischen Liberalen für eine Sanierung der Staatsfinanzen. So setzte Staatsminister Schmerling mit dem Februarpatent 1861 ein Grundgesetz über die Reichsvertretung und je eine Landesordnung für die siebzehn nichtungarischen Kronländer durch. Als aber der preußische Ministerpräsident Fürst Bismarck auf einen Konflikt um die Vormacht in Deutschland zusteuerte und ein geheimes Angriffsbündnis mit Italien schloss, stand das Kaisertum in einem Zweifrontenkrieg. Obwohl die österreichischen Waffen in Oberitalien und in der Adria siegten, musste Franz Joseph Frieden schließen, da die österreichische Nordarmee am 3. Juli 1866 mit der Schlacht bei Königgrätz auch den „Kampf um Deutschland“ verlor.

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