Manche behaupten ja steif und fest, dass im bekanntesten Lied der Band Pink Floyd eine deutsche Zeile versteckt sei: „Hol ihn, hol ihn unters Dach / Another brick in the wall.“ Das ergibt doch gar keinen Sinn! Es klingt so verrückt wie die Behauptung, Herbert Grönemeyer singe nun auf Englisch: „The airplanes in my head / Are lost and confused / Oh, empty and bruised“ – soll das ein Witz sein? Nein, es ist wahr: Die Flugzeuge sind vom Bauch in den Kopf gewandert.
Genaugenommen hat der Mann, der die Popmusik mit der wohl eigenwilligsten deutschsprachigen Intonation prägte, sogar seine Gesangskarriere auf Englisch begonnen: Nämlich 1979 in einer Gruppe namens „Ocean Orchestra“. Dann kam das Jahrzehnt seiner großen deutschen Erfolge – aber bereits 1988 wurde Herbie wieder rückfällig und veröffentlichte eine erste Zusammenstellung ins Englische übersetzter Stücke unter dem Titel „What’s all this“.
Er will es nochmal wissen
Die schnoddrige „Was soll das“- Lyrik klang in der gedruckten Übersetzung fast wie ein Gedicht von Emily Dickinson („His after shave hangs in the air / He might have chosen mine to wear“). Gesungen klingt sie eher wie eine englische Durchsage der Deutschen Bahn. Die Alben „Luxus“ und „Chaos“ gab es dann sogar in Gänze auch auf Englisch. Man kann also mit Fug und Recht behaupten: Grönemeyer hatte den englischen Markt schon immer fest im Visier, wenn auch der nicht ihn.
Jetzt aber will der seit langem in London Lebende es noch einmal richtig wissen. „I walk“ ist eine englische Blütenlese seiner Alben von „Bleibt alles anders“ bis „Schiffsverkehr“ und präsentiert erstmals drei englische Originale sowie Duette mit Bono oder Antony Hegarty. In einem Punkt hat man dazugelernt: „Grönemeyer-Lyrics eins zu eins zu übersetzen wäre, als wollte man ein Jackson-Pollock-Gemälde aus Zigarettenschachteln nachbauen“, heißt es im Pressetext. Also wird mit größter poetischer Lizenz nun aus „Ich versteh / Nur was ich seh“: „I walk / The way I talk“.
Für Anglophone muss das wie eine Drohung klingen. Wenn es wahr ist, hätte Grönemeyer jedenfalls einen ewigen Gastplatz in dem Monty-Python-Sketch „The Ministry of Silly Walks“ sicher. Den Künstler stört das nicht. Er unterwirft munter nun auch das Englische der deutschen Metrik und seinem Staccato-Stil: „Is there a deeper sense / To our Existenz?“.
Das ist groß, Mann, das könnte das nächste deutsche Popmusik-Ding in Amerika nach dem Erfolg von „Rammstein“ werden.