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Greenpeace im Interview „Fukushimas Küste wird massiv kontaminiert“

Ex und hopp? Der Chemiker Manfred Santen von Greenpeace Deutschland spricht im FAZ.NET-Interview über den Plan der japanischen Regierung und der Betreiberfirma Tepco, radioaktiv belastetes Reaktorwasser bewusst ins Meer einzuleiten.

© F.A.Z. Vergrößern

Herr Santen, mehr als elf Millionen Liter radioaktiv verseuchtes Wasser werden vor Fukushima in den Pazifik abgelassen. Erwarten Sie ein Fischsterben?

Wir wissen es derzeit einfach nicht. Es ist bekannt, dass Fische durch eine erhöhte Strahlendosis krank werden können und dass Organe geschädigt werden können.

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Welche Folgen erwarten Sie dann für den Pazifik?

Zurzeit traut sich kein Experte, etwas vorherzusagen. Klar ist, dass sich das eingeleitete Wasser recht schnell verdünnt. Der Pazifik ist groß. Aber in der Küstenregion ist die Radioaktivität schon sehr angereichert. Sie wird massiv kontaminiert, und auch wenn der Fischfang in der Zone verboten ist, so werden die Lebensräume dort doch in Mitleidenschaft gezogen. Es laufen zwei Meeresströme an der Küste vorbei, ein kalter aus Norden und ein warmer aus Süden. Die treffen sich vor Fukushima. Das führt dazu, dass hier ein nährstoffreiches und ein sehr artenreiches Fischbiotop entstanden ist.

fukushima © dpa Vergrößern Bilder einer Katastrophe: Tepco-Arbeiter im Kernkraftwerk Fukushima am 1. April

Wohin treiben die radioaktiven Spaltprodukte im Wasser?

Wie sich die radioaktiven Stoffe verdünnen und wie sie sich verteilen werden, das kann noch niemand vorher sagen. Die beiden Ströme, die sich hier vereinen, fließen gen Osten Richtung Hawaii und Nordamerika. Dieser Strom teilt sich dann aber noch mal Richtung Alaska und Beringsee, und das ist ein wichtiges Fischfanggebiet, das auch Europa mit Fischen beliefert.
Der betroffene Fisch, der dort gefangen und dann meist in China oder Russland verarbeitet wird, kommt allerdings erst in drei oder vier Monaten hier an.

Greenpeace hat ein eigenes Messteam vor Ort in Fukushima. Analysieren die auch das Meerwasser?

Das Wasser direkt nicht. Unsere Leute können sich auch nicht so nah ranwagen ans Reaktorgelände. Es weiß ja keiner, was da genau eingeleitet werden soll. Unsere Leute waren deshalb heute so vierzig, fünfzig Kilometer entfernt vom Kraftwerk.

Die japanische Regierung hat selbst ein Messprogramm im Meer vor Fukushima aufgebaut und veröffentlich täglich Daten. Trauen Sie den Analysen?

Wir haben durch unsere Messungen an Land festgestellt, dass die Werte der Behörden kaum von unseren abweichen. Das hat uns erstmal beruhigt.

Die jüngsten Werte dreißig Kilometer vor dem Ufer des Kraftwerks lagen bei maximal achtzig Bequerel pro Liter. Das scheint nicht sehr viel Radioaktivität, nimmt man die geschätzten tausend Millisievert Strahlendosis, die das eingeleitete Kühlwasser haben soll.

Ja, das ist nicht so wahnsinnig viel.

Sie klingen sehr gefasst. Sind sie nicht beunruhigt?

Im Gegenteil, wir sind sehr beunruhigt. Es geht selbstverständlich überhaupt nicht, dass radioaktives Wasser ins Meer eingeleitet wird. Unsere größte Sorge gilt jetzt erstmal dem hoch kontaminierten Wasser in den Reaktoren 2 und 3. Die Japaner müssen dringend versuchen, das Wasser an Land aufzufangen, und wenn das nicht geht es auf Tankschiffe zu pumpen. Das ist allemal besser als die unkontrollierte Einleitung.

Ein riesiges Floß mit einem gewaltigen Fassungsvermögen ist ja schon vorgefahren. Die richtige Lösung?

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