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„Google Shopping“ Schwer gebechert

09.11.2008 ·  Die Google-Suche wird uns in Zukunft in erheblicher Zahl zu Büchern führen. Ob man aber sein Erbe jemandem überlassen will, dem der Unterschied zwischen geistigen Inhalten und leeren Plastikbechern egal ist?

Von Franziska Seng
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Bei Google wird es in Zukunft neben Fakten, Nachrichten und Kennenlernmöglichkeiten für Singles nun also auch in erheblicher Zahl Bücher geben, nachdem der Suchmaschinenkonzern sich mit amerikanischen Verlegern darauf geeinigt hat, unter welchen Bedingungen er mehrere Millionen Schriftstücke für die „Google Buchsuche“ einscannen und aufbereiten darf. Das ist für all jene, die unruhig werden, sobald ihnen die flüchtigste Information, die entfernteste Erinnerung zu entgleiten droht, eine angenehme Vorstellung.

Aber man soll die Maschine nicht vor der Abendlektüre loben. Blindes Vertrauen kann unerfreuliche Folgen haben, wie etwa die doppelzüngigen Suchergebnisse bei „Google Shopping“ zeigen: Möchte man dort Bücher über eine populäre, vierzehnzeilige Gedichtform erstehen, werden einem keine Anthologien barocker Poeten, sondern Produkte der Waschmittelfirma „Sonett“ angeboten, an erster Stelle der „Sonett Fettlöser mit Orangenschalenöl“. Zunächst vielleicht ein befriedigendes Ergebnis, schließlich entfernt die Substanz selbst „hartnäckige Fett- und Ölverschmutzungen in Küche und Werkstatt“, und eine tiefenreinigende Wirkung hat man sich von der Poesie immer erhofft.

Stoff der Mittelstufe

Auf den zweiten Blick verärgern jedoch kleine Details, wie etwa der fehlgestartete Jambus, mit dem am Versanfang vollkommen deplazierten Hebungsprall „Sonett – Fett“. Hier hätte Google aussortieren müssen, schließlich ist das Stoff der Mittelstufe. Außerdem enthält das Gebräu Alkoholsulfat, das reizt Augen und Schleimhäute; von einer inneren Anwendung, dem Lesen oder gar dem lauten Vorlesen ist abzuraten. Ob die Programmierer dem Google-Algorithmus für die professionelle Buchsuche noch etwas Prosodiegefühl und warnende Geschmacksrezeptoren einpflanzen können, bleibt abzuwarten. Vielleicht liegen dessen Stärken eher in pragmatischen Auskünften.

Hat man etwa beim Sonett-Shopping etwas in den falschen Hals bekommen, greift man zum belletristischen Angebot, ebenfalls bei „Google Shopping“. Auf die Suchanfrage „Roman“ liefert die Maschine keine Wahlverwandtschaften, sondern den „Mundspülbecher Aloa“ aus mineralweißem Kunststoff, für nur 1,88 Euro. Der Hersteller Roman Dietsche wirbt mit „hochwertiger Optik“ und „einfacher Montage“. Mundspülungen sind sicherlich auch sehr belebend. Trotzdem ist zu überlegen, ob man sein Erbe jemandem überlassen will, dem der Unterschied zwischen geistigen Inhalten und leeren Plastikbechern von Grund auf so egal ist.

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