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Glosse Vereinsarbeit

Der Frankfurter Kunstverein hatte große Zeiten, aber die liegen inzwischen hinter ihm. Es wird Zeit, die Fenster aufzustoßen und frische Luft hineinzulassen.

Der Frankfurter Kunstverein kannte einmal eine Zeit, in der er Geschichte schrieb. Daran erinnert sich kaum jemand mehr, in den vergangenen Jahren ist es sehr still geworden. Wenn eine Schau mal gelang, wurde sie oft von externen Kräften kuratiert. Verkopfte Ausstellungstitel wie die „Metaphern des Wachstums“ wurden leider nur in Katalogform, nicht aber in der Kunst eingelöst. Jetzt feiert der Verein fünfzigstes Jubiläum. Und in Deutschland jammert die Kunstszene derweil, dass die Aufmerksamkeit für diese kleinen Häuser dramatisch zurückgehe. Manchmal bekommt man fast den Eindruck, sie würden sich gerne unter Denkmalschutz stellen: als bürgerschaftliches Instrument und Durchatmestation für junge Künstler zwischen Galerie und Museum, zwischen Atelier und aufregendem Kunstmarkt. Verständlich. Nach einem Besuch des Frankfurter Kunstvereins aber fragt man sich dann doch: Brauchen wir ihn noch?

Leiter und Säge

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Auf dem Weg zu den Schließfächern im Untergeschoss darf man sich Instrumente aus der Kunstvereinsarbeit anschauen. Ich verkürze es hier bitterböse auf: Leiter und Säge. Im Erdgeschoss folgt das Archiv des Kunstvereins, indem man schmökern soll: Reihen von Aktenrücken. Im ersten Stockwerk sind Schwarz-Weiß-Fotos an die Wand geklebt, unter die man mit einem Bleistift schreiben soll, wer zu sehen ist: Rätselspiel für Kunstinterne, Frustrationserfahrung für Uneingeweihte. Es sind Aufnahmen, deren Mehrzahl von 2012 oder einem Künstlerfestival im Jahr 1976 stammen. Eine Freundin merkt angesichts von Kindern, die mit Pizza in der Hand auf dem Boden hocken, treffend an, das Künstlerfestival sei wohl eine Fressparty gewesen. Plakate und Kataloge sind aufgereiht. Wo ist nur die Kunst geblieben?

Serialität und Abluftrohre

Als sie endlich aufscheint, in Form von Arbeiten des Frankfurter Künstlerduos Wiebke Grösch und Frank Metzger (die am allerwenigsten dafür können, wofür ihre Kunst hier herhalten muss), bleibt einem die Spucke weg: Hier soll an Kunstvereinsgeschichte mit Déjà-vu-Kunst erinnert werden?! Es steht geschrieben, dass „sie sich auf die jüngere Geschichte des Frankfurter Kunstvereins und der Stadt Frankfurt beziehen und zugleich Verbindungen herstellen zwischen künstlerischen Positionen der vergangenen fünfzig Jahre und konzeptueller Gegenwartskunst.“ Bezüge würden hergestellt zu Peter Roehr (Serialität?), Charlotte Posenenske (Abluftrohre?) und Konrad Lueg (Kunsthandel?). Tritt man den Rückzug an, trösten auch Begleitveranstaltungen nicht mehr. Die Luft im Hobbykeller ist zu stickig. Die Kunst will raus.

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Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 23.12.2012, 15:19 Uhr

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Von Andreas Rossmann

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