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Glosse „Streng vertraulich“ im Roten Rathaus

23.02.2008 ·  Der Berliner Senat möchte die deutsche Hauptstadt besser vermarkten. Dazu sucht er einen Slogan. Nach einem unbestätigten Zeitungsbericht wurde der Satz nun gefunden.

Von Marcus Jauer
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Der Berliner Senat möchte die deutsche Hauptstadt besser vermarkten. Dazu sucht er einen Slogan. Eigentlich hatte er diesen schon im vergangenen November vorstellen wollen, das dann aber doch verschoben. Offenbar war er mit dem Formulieren nicht mehr fertig geworden - kein Wunder. Einerseits fällt es immer schwer, eine Stadt auf den Punkt zu bringen oder immerhin auf einen Satz, andererseits ist Berlin nicht irgendeine Stadt, und vermutlich es war nie schwerer, einen Slogan für sie zu finden als jetzt.

Die Zeit, in der es genügte, einfach die Völker der Welt aufzurufen, auf diese Stadt zu schauen, und dann schauten sie schon, sind lange vorbei. Die Zeiten, in denen die Stadt mit ihrer Mauer etwas vorweisen konnte, das sonst kaum eine hatte, ebenso. Keine Mauer haben heute auch andere Städte. Im Nachhinein erscheint es logisch, dass mit dem Fall dieses Bauwerks der Diskussion, was die Stadt denn nun eigentlich sei, Tür und Tor geöffnet waren.

„Streng vertraulich“

Erstaunlicherweise wurde diese Diskussion vor allem von denen geführt, die durch eben jene Türen und Tore in die Stadt zogen, um dort zu leben, denen das allein aber nicht reichte. Es war, als suchten sie noch eine Begründung für ihren Umzug, etwas, das sich nur hier erfüllen konnte, und so kam die Stadt zu einigen schmeichelhaften Beschreibungen, denen sie sich geduldig widersetzte. Der eingeborene Berliner hat sich an dieser Diskussion eher selten beteiligt, was daran liegen könnte, dass er keine Begründung brauchte, er war ja schon da.

Wenn sich der Berliner Senat nun aber doch hinsetzt und nachdenkt, wie der Welt die Stadt in einem Satz zu erklären sei, ist das auch darum interessant, weil sich an diesem Satz ablesen lässt, wie er sie sich selbst erklärt. Nach einem unbestätigten Zeitungsbericht wurde dieser Satz nun gefunden, er liegt als „Streng vertraulich“ im Roten Rathaus und lautet: „Be Berlin“. Sei Berlin? Alles hätte man erwartet, kleinliches Selbstporträt, großspurige Ankündigung, irgendetwas, das die Stadt sein will. Dass es ihr aber genügt, einfach zu sein, ohne gleichzeitig auch noch irgendwie zu sein, darauf wäre man gar nicht mehr gekommen.

Quelle: F.A.Z., 23.02.2008, Nr. 46 / Seite 33
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