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Glosse Feuilleton Wir Amphibien

23.07.2007 ·  Wenn man einen Lurch vor den Fernseher setzt, muss das, was auf dem Bildschirm läuft, nicht unbedingt ein Amphibienfilm sein. Aber es könnte einer sein. Lurche lieben es, ihresgleichen durch die Mattscheibe zu betrachten.

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Wenn man einen Lurch vor den Fernseher setzt, muss das, was auf dem Bildschirm läuft, nicht unbedingt ein Amphibienfilm sein. Aber es könnte einer sein. Lurche lieben es, ihresgleichen durch die Mattscheibe zu betrachten. Allerdings hätten sie Mühe, Oliver Hirschbiegels Führerbunkerdrama "Der Untergang" als Amphibienfilm zu identifizieren, auch wenn die Farben Schlickbraun und Moosgrün reichlich darin zu sehen sind. Und doch ist es einer, zumindest wenn man der Terminologie folgt, die sich der Regisseur Volker Schlöndorff und der Produzent Günter Rohrbach jüngst in der "Süddeutschen Zeitung" um die Ohren gehauen haben. Schlöndorff hat dort die "amphibische Lösung" der ewigen Geldnot beim Film, sprich: die Produktion eines Filmstoffs als Fernsehmehrteiler und Kinofilm in einem, als "Weinpanscherei" bezeichnet. Und Rohrbach hat ihm, mit Verweis auf seinen Amphibien-Klassiker "Das Boot" von 1981, der ebenso erfolgreich als Sechsteiler durchs Fernsehen wie als Spielfilm über die Leinwände pflügte, energisch widersprochen. Der besondere Reiz der kleinen Debatte liegt darin, dass beide an ihr beteiligten Herren gerade dabei waren oder sind, für ein und dieselbe Firma einen Amphibienfilm vorzubereiten: Volker Schlöndorff arbeitete an der "Päpstin" nach dem Roman von Donna Cross, Günter Rohrbach produziert zur Zeit das Kriegsdrama "Anonyma - eine Frau in Berlin". Als Auftraggeber zeichnete in beiden Fällen die Münchner Firma Constantin Film, deren Großproduktion "Der Untergang" beide Kontrahenten einhellig als Musterbeispiel eines gelungenen Amphibienfilms preisen. Freilich hat die Constantin schon vor ein paar Wochen Schlöndorffs "Päpstin" wegen Drehbuchproblemen auf Eis gelegt, was es dem Regisseur erleichtert haben dürfte, gegen eine Filmpanscherei zu Felde zu ziehen, bei der er selbst gerade noch fleißig mitmischen wollte. Und auch Günter Rohrbach hat gute Gründe, für seine Produktionsfirma in den Ring zu steigen, sitzt er doch - neben der ehrenamtlichen Tätigkeit als Präsident der Deutschen Filmakademie - auch noch im Constantin-Aufsichtsrat. Nun hat die Constantin ihre Zusammenarbeit mit Schlöndorff gekündigt, weil seine Äußerungen der Firma geschadet hätten. Was lernen wir aus diesem cineastischen Duell? Erstens: Deutschland ist ein kleines Land, auf der Weltkarte sowieso, und im Kino noch mehr. Zweitens: Amphibienfilme sind die reine Panscherei, doch jeder Lurch, der eine Kamera halten kann, panscht mit. Außer vielleicht Fassbinder. Aber der ist tot. kil

Quelle: F.A.Z., 24.07.2007, Nr. 169 / Seite 31
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