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Glosse Feuilleton : Vergaloppiert

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"Wie sieht es damit im Westfälischen Landesmuseum, pardon: im LWL-Landesmuseum denn aus ..." Der Versprecher, den sich eine Mitarbeiterin besagten Instituts, beabsichtigt oder nicht, kürzlich auf einer Tagung in Münster leistete, ...

          "Wie sieht es damit im Westfälischen Landesmuseum, pardon: im LWL-Landesmuseum denn aus ..." Der Versprecher, den sich eine Mitarbeiterin besagten Instituts, beabsichtigt oder nicht, kürzlich auf einer Tagung in Münster leistete, klang keck und ließ eine Lachwelle durch den vollbesetzten Saal rollen. Denn, o je, es ist traurig, aber wahr: "LWL-Landesmuseum" und nicht mehr "Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte" heißt das Haus am Domplatz neuerdings und, wenn die Landschaftsversammlung (demnächst: das "LWL-Parlament"?) Ende des Monats zustimmt, bald auch offiziell. Doch wofür, so die nur außerhalb Westfalens erlaubte Frage, steht eigentlich "LWL"? Richtig, für "Landschaftsverband Westfalen-Lippe". Und um den geht es, kämpft er doch ums Überleben. Denn die Landesregierung im fernen und irgendwie auch feindlichen Düsseldorf will ihn (wie auch sein rheinisches Pendant, den LVR) zerschlagen und seinen heterogenen Aufgabenkatalog der Wohlfahrtspflege, psychiatrischen Kliniken, Behindertenschulen und landschaftlichen Kulturpflege in drei Regionalverwaltungen, welche die Bezirksregierungen ablösen sollen, neu ordnen. Dagegen wehrt sich der LWL und mit ihm, Parteien und Kommunen rücken da zu einer Wagenburg zusammen, ganz Westfalen. Deutlicher erkennbar müsse der Trägerverband, so sein neuer Direktor, deshalb werden, und so lässt er allen Einrichtungen den Stempel "LWL" aufdrücken, auf dass er wie BMW, IBM oder LPG zum Markenzeichen werde: den Museen, den Archiven, den Schulen, den Krankenhäusern und selbst dem Amt für Bodendenkmalpflege, das nunmehr als "LWL-Archäologie" firmiert und damit, obwohl es die Befugnisse einer Behörde wahrnimmt, einer privaten Grabungsfirma zum Verwechseln ähnlich klingt. Fehlt gerade noch, aber darüber wird bereits gemunkelt, dass die "Skulptur Projekte Münster 07", mit denen das LWL-Landesmuseum in diesem Sommer die Kunstwelt ins LWL-Land locken will, auf dem Domplatz "LWL" als zwölf Meter hohe Leuchtbuchstaben aufstellen. Ein "Verband mit Tradition", der sich als Erbe der Provinzialverbände auf den Freiherrn von Stein beruft, gibt seine gewachsene Identität dran und lässt sie in einem einheitlichen Logo aufgehen. Als würden nicht alle seine vielen und vielgestaltigen Einrichtungen zu seinem Profil beitragen und es schärfen, wird dieses im Stil einer Konzernholding eingeebnet. Selbst das Westfalenpferd mit dem stolz erhobenen Schweif hat der LWL scheu gemacht und von der Flagge, die er vor seinen Gebäuden hisst, galoppieren lassen, um es durch die drei Buchstaben zu ersetzen. Wer derart eintönig auf seine Geschichte pfeift, darf sich nicht wundern, wenn er bald für entbehrlich gehalten wird und eines Tages von der Bildfläche verschwindet. Aber wenigstens die "LWL-Museen" werden übrig bleiben und den nichtssagenden Namen bewahren. aro.

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