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Glosse Feuilleton Tor der Revolution

 ·  Hat der Fußball im zivilisatorischen Prozess seines Aufstiegs zur führenden Sportart der Globalisierung den Höhepunkt erreicht? Die Anzeichen einer Dekadenz mehren sich vor der Vergabe der übernächsten Weltmeisterschaften. Jetzt bläst der frühere Fußballstar Eric Cantona zur Revolte.

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Am liebsten verkauft Sepp Blatter den Fußball nicht als Geschäft, sondern als Wohltätigkeitsveranstaltung und Heilsversprechen. Die Fifa unterhält ein keineswegs schlecht dotiertes Programm für den Frieden und die „Entwicklung durch Fußball“. Doch sie ist selbst fast schon so korrupt wie die Kirche im späten Mittelalter, als sich die Reformation von ihr abspaltete.

Hat der Fußball im zivilisatorischen Prozess seines Aufstiegs zur führenden Sportart der Globalisierung den Höhepunkt erreicht? Die Anzeichen einer Dekadenz mehren sich. Die heile Welt muss wohl anderswie gerettet werden. Das Ziel bleibt, neue Wege sind gefragt. Eric Cantona, einst ein genialer Spieler mit disziplinarischen Problemen, inzwischen 44 Jahre alt und rebellischer denn je, kämpft jedenfalls entschiedener als der Fifa-Papst für eine bessere Welt. Dass Streiks und Demonstrationen nichts bringen, wissen beide. „Kein Blut, keine Gewalt, keine Waffen“, fordert Cantona. Zum französischen Renten-Protest hatte er einen Aufruf erlassen, den zunächst kaum mehr Menschen hörten als de Gaulles Appell von 1940 aus London: „Wenn zwanzig Millionen Menschen ihr Geld abheben, bricht das Finanzsystem zusammen.“ Dass es beim Ausbruch der Finanzkrise fast schon so weit war, weiß auch Cantona. In den sozialen Netzwerken erklären sich Tausende zum Mitmachen bereit, in den etablierten Medien mehren sich die Berichte.

Die Fußballverdrossenheit der Fans

Der bärtige Cantona, der den Kapitalismus besiegen will, wird als neuer Che gefeiert. Man ist natürlich versucht, über den ganzen Wirbel als Hornberger Penaltyschießen zu lächeln und mit der Pointe auf ein Eigentor zu setzen. Aber aus Belgien, wo Cantona gerade mit Isabelle Adjani einen Film dreht, werden ernsthafte Befürchtungen vermeldet. Schauspieler und Intellektuelle unterstützen den Banküberfall ohne Masken und Pistolen, an dem sich, so die Schätzungen, 15.000 belgische Kontoinhaber beteiligen könnten.

Die Fifa, die gerade mit dem Verkauf der Weltmeisterschaften beschäftigt ist, hat sich noch nicht zur Revolte des früheren Familienmitglieds geäußert. Doch ganz so unschuldig ist sie mit ihrem verantwortungslosen Tun keineswegs: Sie schürt die Fußballverdrossenheit der Fans. Und wo die Entfremdung zurückgeht, steigt die Lust an der Revolution. Der Film- und frühere Fußballstar selbst zeigt sich vom Ausmaß der Solidarität und Sympathie überwältigt. Und hat eine Drehpause programmiert: Am 7. Dezember geht der Millionär Eric Cantona zur Bank.

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02.12.2010, 11:30 Uhr

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