14.09.2005 · "Ja bitte." - "Äh." - "Hallo?" - "Äh-äh."- Halloo?!" - "Ähh." - "Wer spricht denn?" - "Stoiber, hier spricht Edmund Stoiber" - "Wie bitte, Sie müssen sich verwählt haben." - "Es ist Zeit für den Wechsel" - "Ich möchte aber den Anbieter ...
"Ja bitte." - "Äh." - "Hallo?" - "Äh-äh."- Halloo?!" - "Ähh." - "Wer spricht denn?" - "Stoiber, hier spricht Edmund Stoiber" - "Wie bitte, Sie müssen sich verwählt haben." - "Es ist Zeit für den Wechsel" - "Ich möchte aber den Anbieter gar nicht wechseln." - "Gemeinsam für Arbeit und Wachstum" - "Jetzt wird's mir aber langsam zu blöd" - "Gemeinsam die Zukunft sichern . . ." - Pieppiep: Nein, wer demnächst einen Anruf auf seinem Handy vom bayerischen Ministerpräsidenten bekommt, ist nicht falsch verbunden, sondern Opfer eine Kampagne, die sich der vielversprechende CSU-Generalsekretär Markus Söder ausgedacht hat. Dreihunderttausend E-Mails und "mehrere tausend Voice-Mails, bei denen sich per Tonbandansage Edmund Stoiber auf Handys zu Wort meldet", will Söder hauptsächlich an Jungwähler versenden und sie auf diese Weise am Sonntag zur Stimmabgabe motivieren. Die Partei des lederbehosten Laptops setzt sich nach eigener Auffassung einmal mehr an die Spitze einer Bewegung, die - wie so vieles unnachahmlich Moderne - aus den Vereinigten Staaten kommt. Denn wer Elektropost aus der Staatskanzlei bekommt, soll diese auch wie bei einen Kettenbrief weiterleiten und so kostenlos Wahlkampf machen: "Einmal in Gang gesetzt, setzt sich das Konzept von selbst fort", schreibt Söder auf der CSU-Homepage. Die ausführende Werbeagentur spricht gar von einer "Lawine" - eine Vorstellung, vor der es sogar eingefleischten CSU-Anhängern zu grausen scheint. Man kann die Fortsetzung der Postwurfsendung mit neuzeitlichen Mitteln (An alle Haushalte!) mit einem ebenfalls neumodischen Wort als "Spam" bezeichnen (Achieve full erection!). Oder den Verdacht hegen, die Aktion markiere am Ende den Einstieg der Christlich Sozialen Union ins lukrative Geschäft mit den Klingeltönen? Dann werden auch die anderen Parteien schnell auf den Schalltrichter kommen und nicht mehr länger für neuerdings "Giveaways" genannten Zivilisationsmüll wie Kugelschreiber, Luftballons und Feuerzeuge Geld ausgeben. Statt dessen könnte man alsbald, gleich nach dem nächsten Vertrauensverlust, täglich aktualisierte Politikerstatements als Argumentationshilfe für Bierdeckelsteuererklärungsstammtischdebatten anbieten, zum Runterladen. Als Zusatzangebot wäre vorstellbar der Defiliermarsch als Jingle für Traditionalisten und Oktoberfestbesucher; das Geräusch des Windparks Butendiek als meditativer Echoraum für verschieden- und gleichgeschlechtliche Denkpausen bei den Grünen; Gregor Gysis gerappte Aphorismen zur "Internationalen" bei der Lafontainepartei; und für die Sozaldemokraten gehen ein letztes Mal die "Scorpions" mit Günter Grass als Gasttrommler auf Tour. Nur die FDP zögert noch, ob Westerwelles Idee mit den " Reformmotöheads" die richtige Zielgruppe erreichen könne. Bis Sonntag aber gilt zunächst die Devise: Nicht mehr ans Telefon gehen, keine Mails öffnen. Stellt euch vor, es ist Wahlkampf, und keiner hebt ab. hhm