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Glosse Feuilleton Schatten der Engel

 ·  Der Tod eines Filmemachers, dessen Werk im eigenen Gedächtnis von den Werken anderer Filmemacher überlagert wurde, ist immer ein trauriger Anlaß, nachzuschauen, was da war. Von Daniel Schmid, der am Sonntag im Alter von vierundsechzig ...

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Der Tod eines Filmemachers, dessen Werk im eigenen Gedächtnis von den Werken anderer Filmemacher überlagert wurde, ist immer ein trauriger Anlaß, nachzuschauen, was da war. Von Daniel Schmid, der am Sonntag im Alter von vierundsechzig Jahren gestorben ist (Nachruf auf Seite 36), ist der herrliche "Kuß der Tosca" über das von Verdi gegründete Altersheim für Opernsänger noch gut in Erinnerung, nicht hingegen der "Schatten der Engel", den der Schweizer Regisseur 1976 wortgetreu nach dem Theaterstück "Der Müll, die Stadt und der Tod" von Rainer Werner Fassbinder gedreht hat. Es war sein erster deutscher Film nach drei Schweizer Produktionen, und wieder stand Ingrid Caven im Mittelpunkt, seit "La Paloma" seine Lieblingsdarstellerin.

"Schatten der Engel" löste damals einen veritablen Skandal aus und stand damit hinter dem Stück nicht zurück. Aber anders als jenes, das bis heute in Deutschland nicht aufgeführt wurde, erlebte der Film beim Filmfestival in Soluthurn seine Uraufführung und gelangte, allen Antisemitismusvorwürfen zum Trotz, die Schmid und seinen Film ebenso trafen wie Fassbinder und sein Stück, auch bei uns in die Kinos. Doch das ist lange her, und es wäre interessant, heute nachzuschauen, worauf die Entrüstung eigentlich zielte und ob die Empörungsenergie von damals irgendeine Entsprechung im Film hat, die über die Jahre nicht erloschen ist. Leider ist dieser Film auf DVD nirgendwo zu bekommen. Auch "La Paloma" würden wir gern wiedersehen und "Zwischensaison", aus dem uns nur die langen Hotelflure in Erinnerung sind und ein Junge in Kniestrümpfen. Doch mit ihnen wie mit dem Rest von Schmids Werk sieht es nicht gut aus. Es gibt den "Kuß der Tosca" und "Beresina oder Die letzten Tage der Schweiz", und dann ist Schluß. lue.

Quelle: F.A.Z., 08.08.2006, Nr. 182 / Seite 35
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