29.04.2010 · Die Schriftstellerin Helene Hegemann („Axolotl Roadkill“) hat ihren Kritikern jetzt in der „Zeit“ geantwortet. Sie scheint Feinde mit Problemen zu haben und braucht daher Freunde mit Prominenz. Trotzdem „danke“.
Von Sandra KegelNein, es geht ihr gewiss nicht darum, in den „letzten brauchbaren Wogen irgendeines gelangweilten Presseexzesses“ ihre Außenwirkung zu glätten und zu schreien: „Ich bin cool, ich war schon mit 14 im Berghain, ihr seid alle Wichser.“ Auch dies antwortet Helene Hegemann, Verfasserin des Romandebüts „Axolotl Roadkill“, ihren Kritikern in der „Zeit“. Und sie habe, schreibt sie weiter, keine exakte Vorstellung davon, was „aus dem innerhalb der letzten drei Monate produzierten Abziehbild ihrer Person“ geworden sei.
Deshalb kann sie auch locker noch ein bisschen zur Verwirrung beitragen: Sie sei nicht achtzehn, sondern 26, und ihren „Zeit“-Artikel habe nicht sie, sondern ihr Vater geschrieben. Aber nachdem plötzlich alles auf sie eingestürzt ist, weiß sie immerhin, wie es sich anfühlt, als „Naturkatastrophe“ angesehen zu werden. Das geschah nun aber nicht etwa, weil sie jung ist und ein Mädchen – so blöd sei sie „zum Glück“ nicht mehr –, sondern deshalb, weil sie „in einem Bereich arbeite, in dem andere auch arbeiten, und einige dieser Leute haben ein Problem mit mir“. Wer Feinde mit Problemen hat, braucht Freunde mit Prominenz.
Im Ventilator der „Zeit“
Davon gibt es im Hegemann-Kosmos zum Glück genug: Sophie Rois („danke“) und Dirk von Lowtzow („danke“) und Nicolette Krebitz („meine zukünftige Ehefrau“) und der Freund René verrät: „Ich kannte auch mal ’ne Kraft des Zerfalls und der Zerstörung, die ist aber zwei Wochen später gestorben.“ Worum es Helene Hegemann geht, es bleibt bis zuletzt unklar, aber immerhin spricht sie ja nicht für die eine Generation, auch nicht für die andere, vielleicht ja auch für alle, aber wer wollte da entscheiden, sie selbst offenbar nicht, wo war ich noch?
Ach ja, auch ich will meinen Dank aussprechen, denn auch mir wurde schon in manch schwieriger Situation unter die Arme gegriffen. Zum Beispiel in dieser: als es hieß, das Lüftchen der Langeweile durch Provokation, das wir nach einigen unseligen Wochen endgültig für abgeflaut gehalten hatten, sei in den Ventilator der „Zeit“ geraten und sorge für neue Miasmen. Dies wurde übrigens auch nicht von mir allein geschrieben. Danke.