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Glosse Feuilleton Preis als Niederlage

09.02.2006 ·  Wann ist ein Erfolg ein Erfolg? Wenn er nicht vorausgesagt wurde. Wenn der vorausgesagte eintritt, ist er schon keiner mehr, weil alle damit gerechnet haben. Eigentlich gibt es also nur Überraschungserfolge.

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Wann ist ein Erfolg ein Erfolg? Wenn er nicht vorausgesagt wurde. Wenn der vorausgesagte eintritt, ist er schon keiner mehr, weil alle damit gerechnet haben. Eigentlich gibt es also nur Überraschungserfolge. Die Magie des ersten und notwendig unvorhersehbaren Mals läßt sich nicht steigern und hält sich sehr lange; sie wird so historisch wie sonst nur Rekorde als die Akkumulation von Erfolg; sie kann nicht relativiert werden, wie dies in so gut wie allen öffentlichen Bereichen, in der Politik, dem Sport und der Kultur, oft geschieht. Was will es beispielsweise heißen, wenn die amerikanische Popsängerin Mariah Carey bei der Grammy-Verleihung nun drei Preise gewonnen hat? Es ist eine Niederlage, nicht unbedingt für sie persönlich, aber in den Augen aller, die darüber sprechen und dabei ohne das Wort "nur" nicht auskommen: also nur drei Grammys, wo sie doch für acht nominiert gewesen war. Für den Erfolgreichen gibt es, so oder so, keine Normalität mehr: Entweder, er stürzt, unter der Häme oder, was noch schlimmer ist, dem Mitleid der Umstehenden, ab; oder ihm fällt auch alles Weitere in den Schoß, wie diesmal der irischen Band "U2", der weder ihre Musik noch die lästige Dauerpräsenz ihres Vorsängers Bono schadeten. Längst gibt es auch in dieser Branche keinen festen Punkt mehr, von dem aus Erfolg beurteilt werden könnte - die Vorberichterstattung läuft so heiß, daß, wenn die Sache entschieden ist, diese nur noch in Relation zu etwas anderem, vor allen den Erwartungen, betrachtet werden kann. Nur für die, die keiner auf der Rechnung hat, gibt es noch so etwas wie Naivität und damit die Möglichkeit zu triumphieren. Dabei sind die Grammys, wie die Oscars, Wettbewerbe, in denen es auf Breitenwirkung ankommt. Eine Auszeichnung als "bester Rhythm-&-Blues-Sänger" mag künstlerisch wertvoll sein - fürs Publikum ist sie von nachrangigem Interesse. Die Leute wollen die beste Platte, den besten Künstler, das beste Lied des Jahres hören, den Meister aller Klassen, den Helden jenseits aller Sparten. Wenn also eine an sich beachtliche Zahl an Grammys mit dem Argument kleingeredet wird, diese seien zu speziell, dann steckt dahinter womöglich die Sehnsucht nach einem Universalismus, welcher der Popmusik abhanden gekommen ist. Das wäre nicht das schlechteste Zeichen, auch wenn Mariah Carey sich persönlich kaum darüber freuen wird. Die Freude wird dem nun schon zum dritten Mal ausgezeichneten Baßbariton Thomas Quasthoff sowie dem Chor und dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Chefdirigent Mariss Jansons, die jeweils einen Grammy bekamen, niemand nehmen: In traditionell amerikanischen Wettbewerben zu siegen, der Sprung über den großen Teich sozusagen, ist für Deutsche immer ein Erfolg. Herzlichen Glückwunsch, natürlich auch an Miss Carey! edo.

Quelle: F.A.Z., 10.02.2006, Nr. 35 / Seite 41
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Von Gerhard Stadelmaier

Nachhilfe zuerst: Die „Einführung“ nämlich ist republikweit an allen Theatern das meistgespielte Stück. Es dauert ungefähr eine halbe Stunde. Mehr