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Glosse Feuilleton Potters Preis

20.01.2006 ·  Der Reporter des "Daily Telegraph", der sich vor neun Jahren vom Bloomsbury Verlag breitschlagen ließ, eine unbekannte Autorin zu interviewen, die so arm war, daß sie ihr Buch in einem Cafe geschrieben hatte, um sich zu wärmen, hat allen Grund, sich über sich selber zu ärgern.

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Der Reporter des "Daily Telegraph", der sich vor neun Jahren vom Bloomsbury Verlag breitschlagen ließ, eine unbekannte Autorin zu interviewen, die so arm war, daß sie ihr Buch in einem Cafe geschrieben hatte, um sich zu wärmen, hat allen Grund, sich über sich selber zu ärgern. Sobald er seinen Text abgeliefert hatte, warf er das Buch weg. Heute ist die Erstausgabe von "Harry Potter und der Stein des Weisen", seinerzeit in einer Auflage von dreihundert Exemplaren erschienen, 15000 Pfund wert. Auf der von der bibliophilen Zeitschrift "Book&Magazine Collecter" erstellten Liste der wertvollsten Bücher des zwanzigsten Jahrhunderts steht J.K. Rowlings Roman an achtundzwanzigster Stelle. Er wird zwar von der Erstausgabe von Beatrix Potters "Die Geschichte von Peter Hase" weit übertroffen - mit 50000 Pfund neben F.Scott Fitzgeralds "Der große Gatsby" der viertteuerste Titel auf der Liste -, doch sei der Preis erstaunlich für ein derart junges Buch, sagt der Chefredakteur der Zeitschrift. Den ersten Platz nimmt mit 100000 Pfund eine Erstausgabe des "Ulysses" ein, die 1922 in Paris in einer Auflage von eintausend Exemplaren erschien, von denen der Autor die ersten hundert signierte. Die Zeitschrift hat sich auf Bücher konzentriert, bei denen eine wenngleich geringe Möglichkeit besteht, daß Leser sie zu Hause finden. Arthur Conan Doyles "Hund von Baskerville" hält mit 80000 Pfund Platz zwei. Die Hoffnung, auf Gold zu stoßen, dürfte so manchen veranlassen, die eigenen Regale, Antiquariate oder Secondhandläden zu durchkämmen. Die Erfolgschancen indes sind nicht höher als beim Lotto. Ein Sicherheitsbeamter glaubte, auf schnellerem Wege zu Geld kommen zu können, und muß statt dessen einen hohen Preis zahlen. Sechs Wochen vor dem Erscheinungstermin hatte er zwei Exemplare von "Harry Potter und der Halbblutprinz" aus dem Lager gestohlen, das er bewachen sollte, und versucht, das strenggehütete Geheimnis der Handlung an die Boulevardpresse zu verkaufen. Dabei bedrohte er einen Reporter der "Sun" mit einer nachgemachten Pistole. Dann versuchte er, den Bloomsbury Verlag zu erpressen mit der Drohung, den Plot preiszugeben. Diese Vergehen muß der Dieb nun mit viereinhalb Jahren Haft büßen. Die Schwere der Strafe ist vor allem durch den Einsatz der Waffe bedingt, aber der Richter hatte offenbar auch das Interesse der Leser im Sinn, als er urteilte, es sei nur den guten Diensten der Presse und der Polizei zu verdanken, "daß Harry-Potter-Fans das Buch lesen konnten, ohne daß ihre Freude durch die vorzeitige Preisgabe der Handlung verseucht wurde". Damit erinnerte er an den Unterhaltungswert der Literatur, der sich nicht in Geld messen läßt. G.T.

Quelle: F.A.Z., 21.01.2006, Nr. 18 / Seite 33
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