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Glosse Feuilleton Polizeiarbeit

 ·  Law and Order einmal anders: Zu einem der ungewöhnlichsten Jubiläen der deutschen Fernsehgeschichte gab sich in den ZDF-Studios in Unterföhring am Donnerstagabend die gesamte Polizeiprominenz Deutschlands die Ehre.

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Law and Order einmal anders: Zu einem der ungewöhnlichsten Jubiläen der deutschen Fernsehgeschichte gab sich in den ZDF-Studios in Unterföhring am Donnerstagabend die gesamte Polizeiprominenz Deutschlands die Ehre. Der Präsident des Bundeskriminalamts, Jörg Ziercke, traf den Fernseh-Ermittler Rolf Schimpf ("Der Alte"), Hamburgs Polizeipräsident Werner Jantosch den früheren Münchner Kollegen Manfred Schreiber, der wiederum Wolfgang Fierek ("Ein Bayer auf Rügen") die Hand schüttelte; die "Rosenheim-Cops" posierten stolz vor einem Polizei-BMW aus den vierziger Jahren; dem allen gab Bayerns noch amtierender Innenminister und Ministerpräsident in spe, Günther Beckstein, mit einer kurzen Ansprache seinen Segen. Anlass war die vierhundertste Sendung von "Aktenzeichen XY ... ungelöst", das nun schon seit vierzig Jahren der Polizei bei der Aufklärung von Straftaten hilft, mit einer Erfolgsquote von 42 Prozent bei 3727 geschilderten Verbrechen. Ob sich der seltsame Überfall auf ein Galeristenpaar den aufgeklärten Taten hinzugesellt, der in der Jubiläumssendung nachgespielt wurde, erscheint zweifelhaft. Dafür steht der Erfolg von "Aktenzeichen XY" außer Frage, auch wenn ausgerechnet die Sendung am Donnerstag nur unterdurchschnittliche 4,15 Millionen Zuschauer ereichte. Der Moderator Rudi Cerne tröstet sich damit, "dass Pilawas Quizsendungen zwar absolut mehr Zuschauer erreichen mögen, wir dafür aber bei den jungen Zuschauern besser ankommen". Der achtundvierzigjährige ehemalige Eiskunstläufer geriet vor knapp dreißig Jahren einmal fälschlicherweise selbst in Verdacht: "1978 flog ich von München nach Düsseldorf", erzählt er. "Ich stieg aus dem Flieger, plötzlich sprangen bewaffnete Polizisten hinter einer Säule hervor - ich blickte in den Lauf einer Pistole." Dann sei er verhaftet worden. Nach einer halben Stunde habe sich die Verwechslung aufgeklärt, die Beamten entschuldigten sich. Cerne war für den gesuchten RAF-Terroristen Christian Klar gehalten worden. Heute trägt der Moderator auch privat dazu bei, dass "Aktenzeichen XY" junge Zuschauer erreicht - indem er seine Tochter animiert, die Auftritte ihres Vaters mitzuverfolgen: "Sie soll wissen, was da draußen alles passieren kann." Rudi Cernes Tochter ist sechzehn und deshalb schon aktenzeichenfähig. Denn der Produzent der Sendung, Martin Groß, hält fest, dass die Fahndungsreihe "keinesfalls für Kinder unter zwölf Jahren geeignet" sei. Die zwar zeitgemäß ausstaffierte, aber nach wie vor etwas steife Darstellung der Straftaten will er nicht verändern: "Stellen Sie sich vor, was wir für Kritiken ernten würden, wenn wir schmissige, reißerische Filmchen wie die Privatsender drehen würden." Steifheit als bewusstes Stilmittel - dieser Fall wäre gelöst. Um die Zukunft der Sendung ist dem Produzenten nicht bange. "In Zeiten fallender Grenzen und der Globalisierung wird die Verbrecherjagd im Fernsehen als Fahndungsmittel eher wichtiger werden." Der weltweite Erfolg ähnlicher Formate scheint ihm recht zu geben. "Aktenzeichen XY" wird nachgeahmt, Lizenzgebühren aber zahlt kaum jemand, außer der BBC für "Crimewatch UK" und "Crimewatch New Zealand", die, wie der Produzent Groß sagt, eine "wirklich kleine Gebühr" an den XY-Erfinder Eduard Zimmermann zahlen. Das nächste Jubiläum ist nun erklärtes Ziel des Produzenten. "Die fünfzig Jahre machen wir noch voll." mse.

Quelle: F.A.Z., 12.05.2007, Nr. 110 / Seite 39
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