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Glosse Feuilleton Peinlich kleinlich

16.10.2008 ·  Die Satirezeitschrift „Titanic“ will in Frankfurt einen Ähnlichkeitswettbewerb mit dem Propheten Mohammed veranstalten - findet aber keinen Veranstaltungsort. Wie weit geht in Frankfurt die Sorge um die Kunst?

Von Andreas Platthaus
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Schön, wenn man vom eigenen Erfolg am Erfolg gehindert wird. Vorgestern teilte die Stadt Frankfurt per Presseerklärung mit: Das Museum für Komische Kunst steht für eine am Samstag terminierte Veranstaltung der Satirezeitschrift „Titanic“ nicht zur Verfügung: „Die große öffentliche Resonanz macht eine Durchführung der Veranstaltung im caricatura museum frankfurt unmöglich, weil der dafür vorgesehene Raum zu klein ist. Eine Gefährdung der dort ausgestellten Kunstwerke ist zu befürchten.“

Nun weiß jeder, dass das wunderschöne alte Leinwandhaus, in dem das neue Museum Platz gefunden hat, schon am Tag der Eröffnung für die große Sammlung komischer Kunst zu klein war, aber ein wenig hellhörig wird man doch, wenn von Sorge um die Kunst die Rede ist, weil es ja nicht nur Werke gibt, um die man fürchten muss, sondern auch die Kunstfreiheit. Bei dem wegen des erwarteten Erfolgs abgesagten Termin handelt es sich um einen Ähnlichkeitswettbewerb der „Titanic“. Nach mehreren Jahrgängen, die sich Adorno und einmal auch Kim Jong-il widmeten, sollte nun der Prophet Mohammed Gegenstand eines Wettstreits von Gläubigen und Ungläubigen um den schönsten Vortrag von Koransuren werden. Als Teilnehmer der Lesung waren mehrere „Titanic“-Redakteure und ein deutscher Satiriker türkischer Abstammung angekündigt. Als der vor wenigen Tagen absagte, weil er in türkischen Zeitungen beschimpft worden sein soll, ahnten die Organisatoren bereits Böses.

Treffen mit der Polizei

Mittlerweile behauptet der Satiriker auf seiner Homepage, er habe „NIE“ die Absicht gehabt, am Ähnlichkeitswettbewerb teilzunehmen, und der „Titanic“-Redakteur Leo Fischer durfte zwei Treffen mit Landeskriminalamt und Kriminalpolizei absolvieren, bei denen man ihm die überall lauernden Gefahren des Terrorismus nahebrachte. Die befürchtete Überfüllung des Museums hätte sich somit vor allem der Präsenz einer Hundertschaft Polizisten verdankt - in der Tat eine „große öffentliche Resonanz“ auf eine Satireaktion. Schon sieht sich Pit Knorr als Mitglied der Neuen Frankfurter Schule in der Ansicht bestätigt, dass deren bissige Komik nicht ins Museum gehört, sondern auf die Barrikaden.

Die „Titanic“ sucht nun nach einem neuen Quartier für die Lesung. Ein bekannter Frankfurter Club hatte seine Bereitschaft bekundet - sofern danach der normale Dancefloorbetrieb möglich gewesen wäre. Am Donnerstag informierte „Titanic“ fairerweise den Betreiber darüber, dass dann mit hundert uniformierten Clubbesuchern zu rechnen sein würde. Danach war der Fall wieder erledigt. Nun beginnt die Suche neu. Mal sehen, wie weit in Frankfurt die behauptete Sorge um die Kunst geht.

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Jahrgang 1966, Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Bilder und Zeiten“.

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