Ein Frühstücksdirektor hat nur eine einzige, doch dafür wirklich wichtige Aufgabe: Er muß für gute Stimmung am Tisch sorgen. Michael Schindhelm ist zwar kein Frühstücks-, sondern nur der mit Entscheidungsbefugnissen nicht eben gesegnete "Generaldirektor" der vor zwei Jahren von Berlins Kultursenator Thomas Flierl (PDS) ins Leben gerufenen Berliner Opernstiftung. Sie stellte die drei Opernhäuser der Stadt unter ein organisatorisches Dach, in erster Linie, um zu gewährleisten, daß die weitreichenden Senatssparpläne auch erfolgreich durchgesetzt werden. Trotz alledem hat Schindhelm im ersten Jahr seiner Amtszeit vorbildlich für gute Stimmung gesorgt. Allenthalben hörte man von "Überschüssen", "ausgeglichenen" Wirtschaftsplänen, "konsolidierten" Verhältnissen und "weiterhin steigender Auslastung". Kurzum: Die Zukunft der Berliner Opern war glänzend. Der Sechsjahresplan, den es unter Anspannung aller operngesellschaftlichen Kräfte zu erfüllen galt, stand freilich schon lange vor Schindhelms Amtsantritt, ja, bei Licht besehen, sogar vor Stiftungsgründung fest: Bis 2009 soll der Gesamtopernzuschuß um 16,8 Millionen Euro abgesenkt werden. Nun gaben Schindhelm und Flierl gestern bekannt: Dieser Plan sei leider nicht erfüllbar. Zwar haben sich die Zahlen nicht verändert, doch müssen sie ab sofort neu interpretiert werden. Wesentliche Teile der einzusparenden Personalkosten waren bei Stiftungsgründung eigentlich schon weggespart, geplante Einnahmesteigerungen erwiesen sich als utopische Luftnummer, man hatte sich verrechnet, kurzum: Die Zukunft der Berliner Opern ist finster, und spätestens in zwei Jahren werde die Stiftung "materiell in Schwierigkeiten" geraten. Bis zum Herbst (mithin pünktlich zur Berliner Wahl) soll Schindhelm nun schleunigst ein Konzept zur "Nachbesserung" und "Neujustierung" des Stiftungsmodells ausarbeiten, wünscht sich Flierl. Überprüft werden sollen unter anderem die "Leitungsstrukturen" der drei Opernhäuser und ihre "Kooperation im künstlerischen Bereich". Von wolkigem Amtsdeutsch in praxistauglich klare Prosa übersetzt, heißt das, daß sich aus einem Generaldirektor peu a peu ein Generalintendant entwickelt und eine Fusion zumindest zweier Häuser nach dem Pariser Modell als einzige Einsparungslösung angepeilt wird - ob man das Kind nun sofort so nennt oder erst nach der Wahl, das bleibt sich gleich. Nichts anderes indes haben Opernfachleute (wie Klaus Zehelein vom Bühnenverein) oder Betroffene (wie Peter Mussbach von der Lindenoper) schon vor Jahren aus Kenntnis der Zahlen vorhergesagt. Sie wurden als Unkenrufer in die Ecke gestellt. Flierl möchte sich auch zum jetzigen Zeitpunkt zur Fusionsfrage lieber "nicht äußern". Schindhelm, mutiger, beteuert, daß mit ihm eine Fusion "nicht zu machen" sei. Die Stimmung wurde nach diesem Toast keine Spur besser. eeb