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Glosse Feuilleton : Mauerschau

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Der Mauerbau jährt sich am 13. August zum fünfzigsten Mal. Pünktlich zum Gedenktag wird der Markt von zahlreichen Filmen, Bildbänden und Geschichten überschwemmt. Gehaltvolle Leckerbissen sind auch dabei.

          Mit Legenden über Linkshänder aufzuräumen, hatte der Amerikaner Dean R. Campbell im Sinn, als er 1976 den Weltlinkshändertag ausrief. Irrlehren über Krankheitsanfälligkeit und eine kurze Lebensspanne führten lange Zeit zur Umerziehung der Händigkeit. Nur konsequent, dass Campbell einen Freitag, den 13., wählte, der damals auf den August fiel. Mit ihm teilt sich also der Mauer-Gedenktag den 13. August.

          Während in Japan ein linkshändiger Bowling-Wettkampf veranstaltet wird und in Amerika besondere Sportturniere in der Gemeinde Left Hand, Virginia, stattfinden, steht Deutschland im Zeichen des fünfzigsten Jahrestags des Mauerbaus. Die Gedenkstätte Bautzen zeigt in ihrer Kinoreihe „Von Mauern und Menschen“, dass Sympathiebekundungen für die Mauer nicht zwangsläufig der Tea-Party-Bewegung entstammen müssen, die sie im vergangenen Jahr als Vorbild für die amerikanische Einwanderungspolitik lobte. Lars Laumann porträtiert in seinem Film „Berlinmuren“ (2008) zwei Frauen, die die Berliner Mauer lieben. Zwischen Dokumentation und Kunstfilm changierend, widmet sich Laumann diesem Kuriosum, ohne die Emotionen der Frauen ins Lächerliche zu ziehen und ohne die Absurdität ihrer Neigung jenseits jeder politischen Sensibilität aus dem Blick zu verlieren.

          Die Berliner Mauer geht gern auf Reisen

          Für die Schwedin Eija-Riitta Eklöf war der 13. August 1961 der Tag, an dem sie von ihrem künftigen Ehemann, der im fernen Berlin als Grenzer arbeitete, zum ersten Mal in den Medien hörte. Nach jahrelanger Fernbeziehung heiratete das Paar im Juni 1979. Eija-Riitta führt seither den Doppelnamen Eklöf-Berliner-Mauer. Selbst die „tragedy“ vom 9. November hat ihre Liebe überstanden. Die zweite Frau ist Erika Eiffel, die, obschon verheiratet mit dem Eiffelturm, in „Berlinmuren“ über ihre Gefühle für die Berliner Mauer spricht. Filmischer Höhepunkt ist der Ausflug beider Frauen mit Mauermodellen durch eine schwedische Schneelandschaft.

          Dass die Berliner Mauer nicht gern auf Reisen geht, widerlegt hingegen der Band „Die Berliner Mauer in der Welt“ (2009). Er versammelt die Bilder und Geschichten von 223 Mauersegmenten, die nach ihrem Fall über den gesamten Erdball verteilt wurden. Unter ihren Besitzern sind Kunstsammler, Geschäftsmänner, ein Hard-Rock-Café, der Papst sowie einige amerikanische Präsidenten. Sogar bis auf den Mars hat es die Berliner Mauer geschafft: Einen während der Pathfinder-Mission entdeckten Felsbrocken unweit der Gesteinsformationen „Frog“ und „Pumpkin“ taufte der deutsche Geologe Ralf Jaumann auf den Namen „Broken Wall“.

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