19.01.2010 · Scheiden tut weh - und macht dazu noch arm. Auch deshalb bietet die britische Kaufhauskette Debenhams nun einen Geschenkservice für Geschiedene an. So kann man den verlorengegangenen Teil des Hausrats ersetzen, aber auch um Spenden bitten.
Von Felicitas von LovenbergPaare, die nicht nur Weihnachten, sondern auch mit dem vorgestrigen Blue Monday den nach britischen Berechnungen unglücklichsten Tag des Jahres überstanden haben, können aufatmen: Statistisch gesehen, ist die gefährlichste Phase jetzt erst mal vorbei. Aber selbst wenn Töpfe, Vasen und Anschuldigungen im trauten Heim gerade niedrig fliegen, ist das kein Grund, den Mut zu verlieren. In einer Zeit, da jede zweite Ehe mit dem Tod endet, kann man immer noch zu der glücklichen anderen Hälfte gehören, bei denen es bloß die Scheidung ist. Doch auch Scheiden tut weh – und macht dazu noch arm. Darum verschickt man anlässlich dieser privaten Kapitulation auch keine Anzeigen, feiert Feste und lässt sich beschenken.
Mittel und Wege, auf den neuen Familienstand hinzuweisen, finden sich zwar immer, wie neulich in einer Lokalzeitung: „Heute werde ich, N. N., geschieden. Alle meine Verwandten und Freunde freuen sich mit mir. Glückwünsche und Blumen bitte an folgende Anschrift ...“ Aber nicht jede Frau hält es wie die Schauspielerin Zsa Zsa Gabor, die nach sieben Scheidungen von sich sagt, sie sei eine fabelhafte Haushälterin: „Immer wenn ich mich scheiden lasse, behalte ich das Haus.“ Schön und gut – aber was ist mit dem Hausrat?
Grauzone des modernen Lebens
Auch hier steckt der Beziehungsteufel gern im Detail. Während die Abteilung „Glückwünsche zur Scheidung“ in Papeterien bereits immer umfangreicher wird, will die britische Kaufhauskette Debenhams nun ebenfalls aus der Not einen Reibach machen und bietet ihren Kunden künftig einen Scheidungsgeschenkservice nach Hollywood-Vorbild an. Die Vorteile liegen auf der Hand: Wer auf diesem Weg dezent mitteilen lässt, dass er künftig einen eigenen Toaster, ein Bügeleisen und eine Kaffeemaschine braucht, kann etwas für die Anwälte und die Bespaßung der Kinder an den Wochenenden zur Seite legen.
Familienverbände laufen Sturm gegen den neuen Service, doch pragmatische Erwägungen siegen auf der Insel mit der höchsten Scheidungsrate Europas seit je. Debenhams weist denn auch darauf hin, dass ein Großteil der Hochzeitslisten längst zweiten, dritten und vierten Ehen gelte, also zwischendrin durchaus Handlungsbedarf in Sachen Bettwäsche, Küchenutensilien und Einrichtung bestehe – frei nach dem Kalkül: Wieso sollte in dieser Grauzone modernen Lebens nur der Internetauktionator Ebay absahnen?
Um die Gemüter zu beruhigen, heißt es, scheidende Paare könnten gern einen gemeinsamen Beratungstermin vereinbaren, wo ein Verkäufer dann in einem sicherlich ruhigen Gespräch ermitteln kann, wer was zu behalten gedenkt. Auch um Spenden für einen guten Zweck kann man auf der „Divorce Gift List“ bitten, wobei das Einsetzen der eigenen Kontonummer sich allerdings verbietet. Anders als die Ehe hält das Präfix „Ex-“ dann immerhin fürs Leben.
Felicitas von Lovenberg Jahrgang 1974, verantwortliche Redakteurin für Literatur und Literarisches Leben.
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