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Glosse Feuilleton Kein Cash für "Crash"

26.07.2006 ·  Über die seltsamen Rechenkünste der Hollywoodstudios bei der Verbuchung ihrer Profite und Verluste ist schon viel berichtet worden. Ein berühmter Fall ist der des New Yorker Kolumnisten Art Buchwald, von dem die Ausgangsidee zu dem Eddie-Murphy-Blockbuster "Coming to America" stammte.

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Über die seltsamen Rechenkünste der Hollywoodstudios bei der Verbuchung ihrer Profite und Verluste ist schon viel berichtet worden. Ein berühmter Fall ist der des New Yorker Kolumnisten Art Buchwald, von dem die Ausgangsidee zu dem Eddie-Murphy-Blockbuster "Coming to America" stammte. Buchwald zog vor Gericht, um den ihm zustehenden Anteil am Einspielergebnis von der produzierenden Paramount einzuklagen, aber die Anwälte des Studioriesen rechneten ihm haarklein vor, der Film habe noch keinen Cent Gewinn gemacht. Eddie Murphy, der den Prozeß beobachtete, nannte Buchwalds Prozentbeteiligung am Nettogewinn spöttisch "monkey points", Affenprozente. Hollywoodstars wie Murphy, versteht sich, sind immer am Bruttoeinspiel beteiligt. Buchwald bekam trotzdem recht.

Jetzt ist ein neuer Verteilungskrach um Paul Haggis' unabhängig produzierten Film "Crash" ausgebrochen, der im März den Oscar für den besten Spielfilm, das Originaldrehbuch und den Schnitt gewonnen hat. "Crash" hat in amerikanischen Kinos 55 Millionen, in Übersee knapp vierzig Millionen und im DVD-Verkauf noch einmal 85 Millionen Dollar eingespielt. Dennoch hat Haggis für seine Beteiligung an dem Film - bei den Dreharbeiten 2004 verzichtete er zunächst auf sein Regisseursgehalt - erst dreihunderttausend Dollar bekommen, für Hollywoodverhältnisse ein Butterbrot. Die Stars von "Crash", Sandra Bullock, Matt Dillon, Brendan Fraser, Don Cheadle, die ihre Gagen zurückstellten, damit die Produktion zustande kam, haben noch weniger Geld gesehen. Zuletzt seien Schecks über neunzehntausend Dollar eingegangen, sagen ihre Anwälte. Soviel gibt man in Malibu Beach für den Fitnessclub aus, Trinkgelder inklusive.

Bob Yari, der für die Verteilung der Einnahmen zuständige Produzent des Films, hat die Schuld auf einen an "Crash" beteiligten deutschen Medienfonds geschoben. Die Deutschen, sagt Yari, müßten die Zahlungen erst genehmigen, deshalb dauere es länger. Das klingt wie eine Reminiszenz ans goldene Zeitalter der Kriegsfilme, als alles Böse unter der Sonne von den Deppen in Wehrmachtsuniform verübt wurde. Näher an der Wahrheit dürfte die Vermutung des Anwalts eines anderen "Crash"-Produzenten liegen: Yari, der zur Zeit zehn Filmprojekte gleichzeitig laufen hat, hocke auf den Dollars, statt seine Künstler auszuzahlen. Die Art, wie das Geld hereintröpfelte, sei eine Beleidigung, sagt ein anderer Betroffener.

Independent-Filme waren einmal eine ernste und schwere Sache. Als Jim Jarmusch "Stranger Than Paradise" drehte, ließ er sich von Wim Wenders unbelichtetes Zelluloid schenken und verpfändete alles, was er besaß. Der Film wurde ein Erfolg, ohne seine Produzenten reich zu machen. Heute nährt das Independent-Kino die Bob Yaris von Hollywood. Nachbarin, euer Scheckbuch! ANDREAS KILB

Quelle: F.A.Z., 27.07.2006, Nr. 172 / Seite 33
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Von Christian Geyer

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