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Glosse Feuilleton Im Reich der Sonnenfinsternis

 ·  Die American Academy am Wannsee hat am Montag abend ein Dinner zu Ehren von Terrence Malick veranstaltet - und zur größten Überraschung war er auch tatsächlich da. Um zu begreifen, was das bedeutet, muß man sehr weit zurückblenden ...

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Die American Academy am Wannsee hat am Montag abend ein Dinner zu Ehren von Terrence Malick veranstaltet - und zur größten Überraschung war er auch tatsächlich da. Um zu begreifen, was das bedeutet, muß man sehr weit zurückblenden in die siebziger Jahre: Damals galt Malick nach seinen zwei Filmen "Badlands" und "Days of Heaven" als Genie des neuen Hollywood, und der damalige Paramount-Chef Charles Bluhdorn war so begeistert, daß er dem Regisseur eine Million Dollar nur dafür gezahlt haben soll, daß er seinen nächsten Film für die Paramount dreht, was auch immer, wann auch immer. Das war 1978, und Terrence Malick verschwand auf Nimmerwiedersehen - zumindest für zwanzig Jahre. Es hieß, er sei nach Paris gezogen, ein andermal, er habe ein Team gemietet, um eine Sonnenfinsternis zu filmen. Ansonsten: nichts. Die Geschichte ist bekannt, weil sich Malick - der einzige Regisseur, der Hollywood je aus freien Stücken den Rücken zukehrte - im Jahr 1998 mit "The Thin Red Line" zurückmeldete, der einen Goldenen Bären gewann. Am vergangenen Wochenende lief sein neuer Film "The New World" im Wettbewerb. Aber Malick blieb ein Phantom, erschien nicht zur Pressekonferenz und auch nicht zur Premiere. Auf der Bühne stand seine Frau Alexandra und entschuldigte ihren Mann: Er sei bei solchen Gelegenheiten "like a deer caught in the headlights", also wie ein Wild im Scheinwerferlicht eines heranbrausenden Autos.

Und dennoch ist er da an diesem Abend in der Academy, auch wenn er vor seinem Auftritt noch ängstlich um die Ecke gelugt haben soll, wie viele Leute ihn erwarten. Es sind ein paar Dutzend, und er mischt sich tatsächlich unter sie, ein Bär von einem Mann mit Halbglatze, scheuem Blick und sanftem Lächeln. Zur Begrüßung klärt Academy-Leiter Gary Smith auf, die guten Beziehungen zu Malick gingen darauf zurück, daß sie sich beide aus ihrer Heimatstadt Austin kennen. Und wer Glück hatte, konnte nach dem Essen tatsächlich neben ihm sitzen und feststellen, daß er ein interessierter und intelligenter Gesprächspartner ist, der einfach nicht gern unter Leute geht. Weil Malick keine Interviews gibt, muß natürlich immer unter vier Augen bleiben, was bei so einem Anlaß gesagt wird. Nur so viel: Er hat tatsächlich eine Sonnenfinsternis in Montana gedreht - und eine Mondfinsternis. malt

Quelle: F.A.Z., 15.02.2006, Nr. 39 / Seite 41
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