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Montag, 13. Februar 2012
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Glosse Feuilleton Großes Theater

01.06.2009 ·  Wenn Obamas ausgehen: Für das Abendessen in einem kleinen Kellerrestaurant wurde halb Greenwich Village in Ausnahmezustand versetzt, am Broadway kam der Verkehr ums Belasco Theater zum Erliegen. All die Steuergelder für einen frivolen Theaterbesuch!

Von Jordan Mejias
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Die Vorstellung im New Yorker Belasco Theatre am Broadway war nicht ausverkauft. Es war also kein Kunststück, zwei Eintrittskarten für das Ehepaar Obama aufzutreiben. Mit dem Kauf der Karten kamen jedoch die Probleme, Konflikte und Kontroversen erst ins Rollen. Denn der amerikanische Präsident kann ja mit seiner First Lady nicht einfach ins Theater gehen.

Für Obamas „Dinner & Show“, das traditionelle Doppelvergnügen auch kulturell aufnahmewilliger Kreise, sind Großwunder der Logistik zu vollbringen. Zumal am Samstagabend. Zumal wenn es vom Weißen Haus in Washington schnell mal an den Broadway in New York gehen soll. Dann müssen gleich drei Gulfstream Jets losgeschickt werden, um auch die präsidiale Entourage und den Medientross unterzubringen, von den zwischendurch benötigten Hubschraubern ganz zu schweigen.

Suche nach schwarzer Identität

Immerhin kam als Air Force One kein Jumbo zum Einsatz. Zum Abendessen im Blue Hill, einem kleinen Kellerrestaurant, das mit seiner exquisiten Biokost womöglich auf der Wunschliste der ernährungspädagogisch ambitionierten Hobbygärtnerin Michelle stand, wurde halb Greenwich Village in Ausnahmezustand versetzt. Und am Broadway kam der Verkehr ums Belasco Theater zum Erliegen, wo die Obamas sich August Wilsons Schauspiel „Joe Turner’s Come and Gone“ ansahen.

Das Stück gehört zu Wilsons großem, zehnteiligem Dramenzyklus, in dem er afroamerikanische Befindlichkeit durch alle Jahrzehnte des zwanzigsten Jahrhunderts verfolgt. Sicher ist es angemessen, von einer Suche nach schwarzer Identität zu sprechen. Brisant ist darum die Wahl dieses Theaterabends gerade jetzt, da die Debatten über die Identitätspolitik wieder mächtig aufflammen. Obama selbst hat sie entfacht, mit der Nominierung von Sonia SotomayorSotomayor, einer Richterin puertoricanischer Herkunft, für das Oberste Gericht.

Offenbar ist das Zeitalter, das er eingeläutet hat, noch nicht ganz so post-racial wie geglaubt und ersehnt. Die republikanischen Gegner des Präsidenten, für die Kultur und besonders New Yorker Kultur ohnehin immer im Ruch unamerikanischer Umtriebe stehen, richteten ihre Empörung freilich noch lieber auf die Kosten des präsidialen Kulturausflugs. All die Steuergelder für einen frivolen Theaterbesuch! Was für eine Verschwendung angesichts der katastrophalen Wirtschaftslage! Fernseh- und Radiokrakeeler kennen kein Halten mehr. Dabei wäre es so leicht, sie zum Schweigen zu bringen. Die Obamas sollten sich eine Ranch in Texas zulegen, wohin sie so oft jetten könnten, wie sie wollten, ohne sich je Kritik einzuhandeln. Beim Entfernen von Unterholz kämen sie gar nicht dazu, dem Broadway und einem anregenden Theaterabend nachzutrauern. Der Vorgänger im Amt wird’s gern bestätigen.

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