08.10.2006 · Oliver Stone hat in seinen gerade in Deutschland angelaufenen Film "World Trade Center" eine Vision des am 11. September 2001 unter Trümmern verschütteten Polizisten Will Jimenez aufgenommen. Darin winkt ein Bilderbuch-Jesus dem durstigen Verletzten mit einer Flasche Wasser zu.
Oliver Stone hat in seinen gerade in Deutschland angelaufenen Film "World Trade Center" eine Vision des am 11. September 2001 unter Trümmern verschütteten Polizisten Will Jimenez aufgenommen. Darin winkt ein Bilderbuch-Jesus dem durstigen Verletzten mit einer Flasche Wasser zu. Glauben wir Stones Behauptung, daß alle Geschehnisse in seinem Film auf Berichten der Überlebenden des Einsturzes der Zwillingstürme beruhen, dann ist an der Szene eines besonders bemerkenswert: Bei der Flasche handelt sich um eine jener Abfüllungen, die reines Quellwasser enthalten - ein Produkt, das weltweit in den vergangenen Jahren gewaltige Zuwachsraten erlebt hat. Umweltschützer beklagen schon lange, daß die als Behälter verwendeten Plastikflaschen in den meisten Ländern nicht mit Pfand belastet sind. Doch nun bekommen sie Unterstützung von unerwarteter Seite: In Kanada, wo der Pro-Kopf-Verbrauch im Jahr bereits bei sechzig Litern abgefüllten Quellwassers liegt, haben mehrere Gemeinden der United Church, einer protestantischen Glaubensrichtung mit insgesamt rund einer Million Mitglieder im Land, die Mitnahme von gekauftem Flaschenwasser in ihre Kirchen verboten und generell zu einem Boykott solcher Waren aufgerufen. Wasser sei eine Gottesgabe, die nicht zum Gegenstand kommerziellen Kalküls werden dürfe, erklärt auch Heidi Gereats als Sprecherin der kanadischen Lutheraner. Christliche und andere Kritiker der Wasserkommerzialisierung bekommen in Kanada Aufwind durch den Bericht über ein Markenprodukt, das in der Kleinstadt Brampton im Bundesstaat Ontario abgefüllt wird - an einer Quelle, die auch für die Trinkwasserversorgung von Toronto genutzt wird. Die Literflasche kostet im Laden 1,59 Dollar, dreitausendmal mehr als dasselbe Wasser aus der Leitung im Haus nebenan: Die Quelle ist plötzlich eine Goldgrube. Mehr als eigene Filterung und eine leichte Geschmackskorrektur wird vom Abfüller nicht geleistet, dafür aber fehlt das in Kanada dem Leitungswasser beigefügte Fluor, mit dem man die Gesundheitsvorsorge unterstützen will. Schon melden sich Zahnärzte, die einen starken Anstieg von Karies bei jungen Patienten beobachten, seit Flaschenwasser immer populärer geworden ist. So wollen nun Mediziner, Umweltschützer und Christen ein einig Volk von Kämpfern sein, in keinem Durst sich trennen und Gefahr. Die Kirchen werden zu flaschenfreien Zonen. Selbst der wasserreichende Jesus aus "World Trade Center" müßte leider draußen bleiben. apl