Wie man jetzt wieder an "King Kong" sieht, ist der Mensch nie wieder so leicht beeindruckbar wie in der Kindheit. Tom Tykwers Karriere hat einst damit begonnen, daß er im Kinderzimmer mit seiner Super-8-Kamera "King Kong" nachspielte; und Peter Jackson hat im Grunde gerade dasselbe gemacht, aber für die Erfüllung dieses Kindertraums über 200 Millionen Dollar ausgeben dürfen. Wo man sich in der Kindheit eher durch den Riesenaffen beeindrucken läßt, da interessiert man sich in der Pubertät eher für die weiße Frau. Im Grunde hat man für nichts anderes Augen und blickt auf die ganze Filmgeschichte wie durch beschlagene Brillengläser. So kann es passieren, daß man "Her mit den kleinen Engländerinnen" für ein Meisterwerk hält und auch "Bilitis" ganz weit oben in der Liste persönlicher Favoriten landet. Um so aufwühlender, wenn man dann - wahrscheinlich verbotenerweise - im Fernsehen einen Film für Erwachsene sah, in dem erwachsene Menschen erwachsene und verbotene Dinge tun. Es konnte also sein, daß man 1976 im ZDF Sergio Gobbis italienisch-französische Koproduktion "Die Gefräßigen" sah, in der Helmut Berger einen Croupier spielt, der von Francoise Fabian dabei beobachtet wird, wie er einen erfolgreichen Spieler umbringt, aber von ihr nicht verraten, sondern erpreßt wird, ihr im Bett zu Diensten zu sein. Sensationelle Geschichte. Wenn man vierzehn ist, hält man das so ungefähr für das Beste, was einem passieren kann, von einer abenteuerlich reifen Francoise Fabian zum Sex erpreßt zu werden. Der wunderbare Paul Meurisse spielt den Kommissar, der beharrlich seinem Verdacht nachgeht, obwohl Helmut Berger ein Alibi vorweisen kann, für das Fabian geradesteht. Leider ist der Rest des Films im Nebel des Vergessens verschwunden, weil der Film nie wieder gezeigt wurde und weder auf Video noch DVD je erhältlich war. Der Film ist so was von verschollen, daß man fast glauben möchte, man sei der einzige Vierzehnjährige gewesen, der damals ferngesehen hat. malt