29.08.2001 · In den 90er Jahren entwickelte sich eine Vielfalt elektronischer Stile, die meist schlicht „(Neue) Elektronische Musik“ genannt wird.
Nach seinen ersten kommerziellen Folgen verfeinerte sich Techno Anfang bis Mitte der 90er Jahre zunehmend. Viele Techno-Künstler produzierten ihre Musik nun nicht mehr allein für die Tanzfläche. Sie schlugen ruhigere und komplexere Töne an. Einmal vom Diktat der geraden Techno-Bassdrum befreit, entwickelte sich ein Universum elektronischer Stile.
Da es mittlerweile schwer fällt, einen gemeinsamen Nenner ausfindig zu machen, spricht man heute meist allgemein von „(Neuer) Elektronischer Musik“. Manche Stile arbeiten mit verschachtelten Rhythmen, andere kommen ganz ohne tanzbaren Beat aus. Stets stößt man aber auf ein experimentelles Interesse an neuartigen Klangdesigns und technologischer Innovation. Viele der neuen Klangforscher beziehen sich dabei auf Avantgarde-Komponisten wie Karl-Heinz Stockhausen oder Steve Reich.
Wie ihre Vorbilder verknüpfen Projekte wie Mouse on Mars - der international erfolgreichste deutsche Elektronik-Act - Geräuschpartikel, Melodien und Rhythmen zu komplexen Klangcollagen. Der Unterschied: Die Musik entsteht meist Zuhause am Computer statt in teuren Studios. Zahlreiche zeitgenössische Elektronik-Projekte lassen sich deshalb kaum noch als Pop-, sondern eher als Kunstmusik verstehen. Doch gibt es in den letzten Jahren parallel dazu Bemühungen, klassische Popmelodie, Gesang und elektronisches Klangexperiment zu verbinden. Zudem hat der Boom elektronischer Musik das klassische Bandformat nicht unberührt gelassen: sogenannte „Postrock“-Bands wie Tortoise arbeiten mit elektronisch erzeugten Geräuschen.