29.08.2001 · Mit „Easy Listening“ wird ein neues, ironisches Hörverhalten des Rezipienten bezeichnet, weniger ein klar formatiertes Genre.
Mitte der 90er Jahre wurde „Easy Listening“ zum musikalischen Trendwort und dient seitdem zur Beschreibung der süßlich-seichten Klänge von Bands wie Pizzicato Five, den Cardigans oder Air. Als Begriff existiert „Easy Listening“ aber schon seit den 60er Jahren: Damals bezeichnete er vor allem eingängige, streicherlastige Filmmusiken. Die schwülstigen aber doch anspruchsvollen Soundtracks von Henri Mancini und Burt Bacharach gelten bis heute als Klassiker des Easy Listening.
Entscheidend trug die amerikanische Plattenfirma Muzak Inc. zur Verbreitung von Easy Listening bei, indem sie sanfte Berieselungsmusik für Kaufhausketten komponierte. Easy Listening steht somit in struktureller Nähe zur Ambient-Musik, ist aber nicht mit dieser gleichzusetzen. Obschon die honigsüßen Streicherarrangements, wie sie sich etwa bei der französischen Band Air finden, zurecht als Easy Listening bezeichnet werden, darf das Easy Listening-Revival der letzten Jahre nicht als reine Wiederkehr eines alten Musikstils verstanden werden. Denn Easy Listening beschreibt heute vor allem eine neues, ironisches Hörverhalten des Rezipienten, weniger ein klar formatiertes Genre: Die banale, mitunter geschmacklose Freizeitmusik der Elterngeneration - etwa alte Krimisoundtracks, französische Chansons oder Tanzorchesterplatten - findet der Easy Listening-Fan „kultig“. Das „leichte Hören“ wird so in „cooles Hören“ umgewertet.