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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Glossar der Krise Wachstum

 ·  Die Krise hat einen ehernen Grundpfeiler unserer Marktwirtschaft erschüttert - die Vorstellung vom schier grenzenlosen Wachstum. Sprachphilosophisch war das eigentlich absehbar, sind doch jedem natürlichen Prozess in seiner Entwicklung Grenzen gesetzt. Zeit also für eine „Systemdiskussion“?

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Karl-Heinz Andresen

Tja, Peter Körte, wenn es an Phantasie fehlt,

ist Wachstum natürlich stets begrenzt, aber wo wären wir dann alle, oder viele von uns, oder nur einige wenige vielleicht? Nicht da, um so einen Kommentar zu schreiben, im Wasser eines Ozeanes vielleicht oder im trüben Tümpel oder bereits ganz woanders, etwa der Nachbargalaxie? Sieht man Wachstum als Entwicklung - und soviel Phantasie sei erlaubt, ohne das Thema zu verlassen - sollten wir alle auf unbegrenztes, prinzipiell immerwährendes, wenn auch gelegentlich unterbrochenes oder stagnierendes, auch mit Rückschlägen verbundenes, aber doch: Wachstum hoffen und sogar damit rechnen, denn nur dann läßt sich Entwicklung vorantreiben und damit die Menschheit.

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Lothar Hensel
Lothar Hensel (LotharH) - 17.07.2009 17:43 Uhr

Wachstum

Sehr geehrter Herr Körte,
in Ihrem Artikel in der FAZ gehen sie von einem Wachstumsbegriff aus der so nicht in der Volkswirtschaftslehre verwendet wird. Sie denken sich Wachstum als eine Steigerung der Zahl der produzierten Kühlschränke oder Emaille Schüsseln. Tatsächlich geht es selbst beim konservativen Wachstumsbegriff BIP darum das der Wert, der zu Marktpreisen bewerteten Güter wächst. Das bedeutet das wenn ein Waschmaschinen Hersteller genauso viele Waschmaschinen herstellt wie bisher, er aber mehr erlöst, weil sein Waschmaschinen Eigenschaften haben die vom Markt mit höheren Erlösen belohnt werden, dann findet Wachstum statt.
Moderner Wachstumsbegriffe sehen Wachstum als Zunahme der menschlichen Möglichkeiten. Nullwachstum ist kein Wachstum da haben Sie recht. Nullwachstum ist Stagnation. Ein Einfrieren der sozialen Verhältnisse. Hier gibt es hauptsächlich Verlierer. Auch und gerade die Ökologie verliert, weil der Umbau und die Anpassung unserer Gesellschaft an neue Rahmenbedingung nicht voran geht. Gewinner sind allenfalls die Saturierten. den ihre relative soziale Position wird zementiert. (Beispiel Feudalsystem Kein Aufstieg und demzufolge auch kein Abstieg)
Gruss LotharH

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Günter Heß
Günter Heß (gueh) - 17.07.2009 16:26 Uhr

Die Metapher hinkt

Pflanzen, Tiere und Menschen erreichen in ihrer Lebenszeit eine bestimmte Größe. Die Natur setzt die Grenze. Ein Baum in einem Wald der freiwillig aufhört zu wachsen stirbt, weil er kein Sonnenlicht bekommt. In der Mitte sind deshalb fast alle Bäume gleich hoch. An den Rändern überleben einige kleinere Bäume, die das Überleben des Waldes sichern, wenn sich die Randbedingungen ändern.
Der einzelne Baum versucht nicht die Zukunft aufgrund seiner jetzigen Umweltbedingungen vorauszusehen und eine bestimmte Größe anzustreben. Das geht schief. Der Baum reagiert nur auf die Randbedingungen.
Deshalb hinkt die Metapher des Artikels.
Es ist auch falsch zu behaupten, dass wir uns Wachstum wünschen. Nein, Wachstum ist die Folge unserer Wünsche nach einem langen Leben, nach Kindern und nach Wohlstand. Darüber hinaus versuchen wir das mit möglichst wenig Arbeitseinsatz zu erreichen.
Dass es das alles gibt ohne Wachstum, das ist im günstigsten Fall die fehlgeleitete Illusion der naiven Utopisten, im ungünstigen Fall der Trick der Betrüger und Scharlatane.

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Jahrgang 1958, Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

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