19.05.2009 · Verheb dich nicht! Wie oft habe ich als Kind diesen Satz gehört. Nun wollte der kleine Sportwagenhersteller Porsche das Schwergewicht VW stemmen - und niemand hat ihn gewarnt.
Von Andreas PlatthausVerheb dich nicht! Wie oft habe ich als Kind diesen Satz gehört. Er fiel aus Erwachsenenmund immer dann, wenn es gerade richtig Spaß machte: Weil es hart auf hart ging, Wassereimer geschleppt werden wollten, um Sand anzufeuchten, Bretter hochgewuchtet zur onkelsicheren Baumburg oder Bücherstapel neu arrangiert.
Was genau aber passieren würde, wenn man sich denn einmal verhöbe, das hat mir nie jemand erklärt. Also stellt man sich das vor: Wird dabei die Wirbelsäule aufgezogen wie ein Reißverschluss? Springt der Arm aus dem Gelenk? Oder fällt nur einfach alles, was man da heben wollte, in sich zusammen? Und seltsam: Immer lagen Freunde wegen Skiunfällen, Glatteis, Prügeleien oder Fahrradstürzen im Spital, niemals wegen Verhebens.
Heute kommt aus Zuffenhausen endlich Anschauungsunterricht, und alles, was wir uns als Kinder überlegt haben, erweist sich als wahr: Rückgrat gebrochen, Lähmung, Kollaps - bei Porsche wird's Ereignis. Hätte nicht Mama Wiedeking oder Papa Aufsichtsrat einmal rechtzeitig „Verheb dich nicht, Wendelin!“ brüllen können, als der kleine Sportwagenhersteller das Schwergewicht VW stemmen wollte?
Aber wir erinnern uns ja noch: In Zuffenhausen glaubte man den geeigneten Hebel gefunden zu haben. Nur ist der irgendwann einfach selbst ausgehebelt worden, weil nicht mehr alle Spielkameraden kräftig mitdrücken wollten. Und schon war es zu spät. Na dann, gute Besserung.
Andreas Platthaus Jahrgang 1966, Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Bilder und Zeiten“.
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