10.07.2009 · „Premium geht immer“, das ist auch in wackligen Krisenzeiten ein Satz von Bestand. Also werden die belohnt, die Dinge besser und teurer machen, bis sie dann endlich premium sind. An uns ist es dann nur noch, Premiumbedürfnisse herauszubilden.
Von Hannes HintermeierHeute gibt es Belohnungen für jene, die Gutes schlecht machen. Schon in der Antike, aus der herauf hier Terenz zu uns spricht („Eis nunc praemium est, qui recta prava faciunt“), war die Kulturkrise immer auch eine Finanzkrise. Trotzdem würde man heute dem vorchristlichen Kömodiendichter seinen Befund um die Ohren hauen. Denn nicht nur aus Sicht der deutschen Automobilindustrie irrt Terenz. Heute werden die belohnt, die Gutes noch besser machen und damit auf jeden Fall teurer und also premium, um jenes zerkaute, aus dem Lateinischen „praemium“ (Lohn, Belohnung) herüberanglisierte Unwort zu verwenden.
Dabei haben unsere automobilen Hochrüster und Optimierungsfanatiker doch längst das Premaximumsegment im Auge. Seit Jahren lassen sich die kleinsten Modelle der deutschen Luxuswagenbauer mühelos in Preisregionen treiben, in denen früher nur die Oberklasse fuhr. Autos für die Globalisierungsverlierer bauen doch die anderen, und das zu Preisen, zu denen man beim neuen Familienporsche gerade einmal die Keramikbremsanlage bekommt. Es ist schon wahr, die heutigen Autos sind wahnsinnig gut, sie gehen selten kaputt, außer die Elektronik spinnt, was in Autos, die vollgestopft mit Elektronik sind - egal. Sie sind so, wie wir sie haben wollten oder wie wir sie uns haben einreden lassen. Die Hälfte der Menschheit lebt in Slums, aber das gehört nicht hierher. Der Subprime-Krise folgte die Premium-Krise: Was aber geschehen muss, dass es zum Abwrackpremium kommt, wollen wir uns lieber nicht ausmalen.