06.07.2001 · Das Single-Dasein - ein Reich der Fantasie für Industrie und Werbung?
Von Katrin JurzigNach der Statistik gibt es immer mehr Single-Haushalte, Psychologen sprechen von einem Trend zur Vereinzelung. Während Alleinstehende vor zwei Generationen noch mit dem Stigma „Alte Jungfer“ oder „Junggeselle“ aus dem Kreis der Gemeinschaft gestellt wurden, haben Singles heute an Ansehen gewonnen.
Doch die Begrifflichkeit um das Thema Single ist schwammig. Welche Personengruppen als Singles bezeichnet werden sollen, darüber besteht kein Konsens. Sind es tatsächlich junge Menschen, die erfolgreich sind und keinen Partner haben, oder sind es Paare mit getrennten Wohnungen? Was ist mit Bewohnern einer Wohngemeinschaft oder getrennte Verheiratete, die noch nicht geschieden sind?
Die Werbung hat sie kategorisiert und mit dem Etikett „jung, erfolgreich und aktiv“ versehen. Die Industrie hat das Bild eines „Alpha-Singles“ entworfen, eine Zielgruppe, die dennoch nicht einfach zu finden ist. Das bestätigte unfreiwillig die erste deutsche Single-Messe. Über 100 Aussteller versprachen, der „am schnellsten wachsenden Bevölkerungsgruppe“ die neusten Produkte und Dienstleistungen für das Leben allein.
Doch die Auswahl zeigte sich bescheiden und war darüber hinaus ebenso für Paare bestens geeignet. Die Singles als Zielgruppe wurden nicht entdeckt. Wenn denn tatsächlich von einem gesellschaftlichen Trend zum Single die Rede sein soll, so steht fest: Der Weg in die Single-Gesellschaft ist steinig.