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Gesellschaft Luxuriöse Neubaupläne für Hitlers Obersalzberg

03.08.2001 ·  Auf dem Obersalzberg, der Hitler einst als Feriensitz diente, soll 2004 ein Luxushotel entstehen. Neue Heile-Welt-Propaganda?

Von Evelyn Schielke
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Es lebe die touristische Idylle. Auf dem Obersalzberg bei Berchtesgaden soll ein Luxushotel errichtet werden. Der bayerische Finanzminister Faltlhauser hat den Startschuss gegeben, das ehemalige Feriendomizil von Hitler ab 2002 zu einem 140-Betten-Hotelkomplex auszubauen.

95 Millionen Mark soll das Projekt kosten, das die Firma „gewerbegrund“, eine Tochtergesellschaft der Bayerischen Landesbank, als Investor bis Ende 2004 fertigstellen will. Das Projekt ist umstritten. Der künftige Betreiber der Anlage, die Hotelkette Intercontinental, hat sich dazu verpflichtet, jegliche Form eines "NS-Tourismus" zu verhindern.

Recht auf Tourismus

Die Entscheidung, ausgerechnet ein luxuriöses Hotel auf jenem Berg zu errichten, auf dem Hitler residierte, wird klar von ökonomischem Kalkül getragen. In einer Pressemitteilung der Bayerischen Staatsregierung verkündete Finanzminister Faltlhauser stolz: „Die Bayerische Staatsregierung hält ihr Wort! Berchtesgaden gewinnt mit dem Neubau eines Hotels auf dem Obersalzberg neue Anziehungskraft für den Tourismus. Damit wird ein wichtiger Grundstein für die Zukunftsperspektiven dieser Region gelegt". Die Region könne neue touristische Impulse ebenso gut gebrauchen wie weitere Arbeitsplätze. Für den entsprechenden internationalen Glanz soll der renommierte Hotelkonzern sorgen.

Zwei Seiten der Medaille

Dieses wirtschaftliche Nutzungsrecht sei angeblich durchaus mit dem Anspruch vereinbar, den geschichtsträchtigen Ort der Öffentlichkeit gegenüber kritisch darzustellen. Dazu beruft man sich von Ministerseite auf ein nach dem Abzug der amerikanischen Streitkräfte 1946 erstelltes Nutzungskonzept für den Obersalzberg.

Das sah vor, neben einer wissenschaftlichen Dokumentationsstelle über die Geschichte des Obersalzbergs ein privat betriebenes Hotel zuzulassen. „Beide Teile gehören zusammen! Die Zukunft, die das Hotel repräsentiert, wäre nicht möglich, ohne sich der Vergangenheit zu stellen“, betonte Faltlhauser.

Der erste Teil dieser Abmachung ist bereits 1999 erfüllt worden. Unter der wissenschaftlichen Leitung des Instituts für Zeitgeschichte in München wurde die „Dokumentationsstelle Obersalzberg“ als ständige Ausstellung ins Leben gerufen. Das Museum informiert ausführlich über die Zeit der nationalsozialistischen Diktatur. Das Augenmerk richtet sich dabei vor allem darauf, wie Hitlers Propaganda den Obersalzberg zur Präsentation des „schönen Scheins" und zur Verschleierung seiner terroristischen Absichten nutzte.

Schöner Schein

Um die Neubaupläne auch gesellschaftlich zu rechtfertigen, wird darauf verwiesen, dass alle Besucher, die es künftig auf den Obersalzberg ziehe, zuvor an der musealen Gedenkstätte vorbei müssten. Gedanklich kann man sich dazu bereits folgendes Szenario vorstellen: Erst kommt man in das Museum, das in einem schlichten Bau untergebracht ist, der auf den Ruinen von Hitlers Gästehaus errichtet wurde. Man schleppt sich geschichtsbeflissen durch die Ausstellungsräume, um kurz darauf die luxuriöse Eingangshalle des künftigen Prachtbaus „Inter Continental Ressort Hotel Berchtesgaden“ zu betreten.

Sinnvolle Alternative

Michel Friedman soll sich als ein führendes Mitglied der jüdischen Gemeinde in Deutschland bereits kritisch zu dem Bau geäußert. Er befürchtet, dass die Hotelanlage die dunkle Geschichte des Ortes verschleiere. Ihm wäre es sinnvoller erschienen, eine internationale Jugendbegegnungsstätte zu errichten, die einen Austausch über die Vergangenheit möglich macht.

Nach den letzten Planungen jedoch wird die „neue Zukunftsperspektive“ des Obersalzbergs wieder einmal darin bestehen, im schönen Schein zu leuchten. Bürgermeister Rudolf Schaupp von Berchtesgaden hofft, dass mit dem Bau des 4-Sterne-Hotels endlich „eine neue, glückliche Ära für den Obersalzberg beginne“.

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