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Gesellschaft Chicago: Alle lesen das gleiche Buch, wenn sie können

18.02.2002 ·  Zum zweiten Mal bereits startete die Stadt Chicago die Initiative "One Book, One Chicago".

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In Amerika setzen sich seit geraumer Zeit Initiativen für mehr Lesen ein. Chicago etwa liest seit dem vergangenen Herbst kollektiv - das gleiche Buch. Ein zweiter Anlauf ist nun für April geplant. Ein ungewöhnliches Projekt, das Schule machen könnte, vor allem dort, wo die Pisa-Studie Minus gepunktet hat.

In Chicago sind in diesem Frühling alle Leser aufgerufen, einen Vorschlag für ein Buch zu machen. Das sollen dann möglichst viele Einwohner im April lesen. Mitte des Monats laden Buchläden und Bibliotheken dazu ein, die Lektüre-Eindrücke in etlichen Diskussionsrunden auszutauschen. Dazu werden Tausende Leser erwartet.

Bibliotheken freuen sich

„Wir wollen künftig zwei Mal im Jahr ein Buch für die ganze Stadt vorschlagen“, sagt Mary Dempsey, Beauftragte der Stadtbibliothek für die Aktion „Ein Buch, ein Chicago“. Die Idee dabei ist so einfach wie ambitiös. „Wir wollen Menschen über die Literatur zusammen bringen“, meint Dempsey, „Wildfremde unterhalten sich plötzlich über ein Buch - ist das nicht eine wundervolle Vorstellung?“.

Verlage freuen sich

Schon die erste Leserunde im vergangenen Herbst sorgte für einen Ansturm auf die Bücherregale. Harper Lees Klassiker „Wer die Nachtigall stört“, ein mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneter Roman über Rassismus in den 30er Jahren, gehörte wochenlang zu den Bestsellern der städtischen Buchläden. Fast 7.000 Interessenten liehen das Buch in den Bibliotheken aus, Schulen und Universitäten nahmen es in ihre Lehrpläne auf. Margot Burke, Sprecherin für „Ein Chicago, ein Buch“ schätzt, dass „mehrere zehntausend Menschen“ dem Leseaufruf folgten. „Ein überwältigender Erfolg für uns“, meint sie.

Städte freuen sich

Die Idee entstand an der Westküste der USA. 1998 rief Seattle seine Einwohner erstmals dazu auf, das gleiche Buch zu lesen. Seither haben eine ganze Reihe amerikanischer Städte die Idee übernommen. Welches Buch in Chicago als nächstes gelesen werden soll, wird momentan im Internet unter der Adresse chipublib.org/003cpl/oboc02s/oboc gesammelt.

Der letzte Leseherbst kostete die Stadt etwa 37.000 Dollar. Margot Burks lacht: „Nicht viel, um die Bewohner einer ganzen Stadt einander näher zusammenzubringen, nicht wahr?“ Mal sehen, was nun der Frühling bringt.

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