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Gérard Depardieu : Die Wahrheit aus dem Mund „da unten“

Gérard Depardieu mit einer der vierzehn Weinflaschen, die er täglich genießt Bild: (c) Eleanor Bentall/Corbis

Er verkörpert Frankreich wirklich: Gérard Depardieu schildert in seiner Autobiographie, wie er leibt, lebt und trinkt. Sein Interpret Richard Millet würdigt sogar, wie sonor er furzen kann.

          Er frisst und er säuft sich zu Tode. 14 Flaschen an einem Tag, hat er in einem Interview mit „SoFilm“ vorgezählt. Champagner am Morgen, Wein in allen Farben, das französische Nationalgetränk Pastis, Whisky und inzwischen auch Wodka, das ist er seiner neuen Staatsbürgerschaft von Putins Gnaden schuldig. Für das Fernsehen machte er eine „Reise durch den Kaukasus“ auf den Spuren des Dichters Alexandre Dumas, der ein ebenso legendärer Vielfraß war. Depardieu nennt ihn einen „Oger“, einen Unhold und Menschenfresser. Wochenlang lief auf CNN ein Werbespot, in dem Frankreichs berühmtester Schauspieler die Küche von Aserbaidschan lobt, wo er jetzt die meiste Zeit verbringen soll.

          Jürg     Altwegg

          Kulturkorrespondent mit Sitz in Genf.

          Mit Heißhunger und Hochgenuss verschlingt er auf dem Bildschirm einen Teller voller Lammkoteletts. Wie echt die Szene ist, demonstriert die Leibesfülle, die sich Gérard Depardieu in den letzten Jahren angefressen hat. „Ich trinke, wenn ich mich langweile.“ Es war wohl höchste Zeit für die Autobiographie. Depardieu hat sie mit Lionel Duroy geschrieben, der nicht nur ein erfolgreicher Ghostwriter vieler französischer Prominenter ist, sondern ein talentierter Schriftsteller, der sich mit seinen autobiographischen Romanen die ganze Familie zum Feind gemacht hat und dem eigenen Sohn 10.000 Euro Schadenersatz bezahlen musste. In eigener Sache arbeitet Depardieu, der Handke und Thomas Bernhard verehrt, lieber mit Wahlverwandten zusammen. Den Porträtfilm über seinen 2008 verstorbenen Sohn Guillaume und ihre Beziehung drehte Jacob Berger.

          Auf Depardieu trifft keine Regel zu, sagt der Regisseur, der auch zunächst einmal Sohn ist: des englischen Schriftstellers John Berger. „Liebe deinen Vater“ lautet der Titel seines Films. Es hat sich so ergeben, muss man - sehr frei - den Titel der Autobiographie Depardieus übersetzen: „Ça s’est fait comme ça“ (Editions XO, 171S., 16,90 Euro). Eigentlich hätte Gérard Depardieu gar nicht auf die Welt kommen sollen. Mit zwei Stricknadeln wollte ihn die Mutter noch rechtzeitig daran hindern. Später ist er ihr als Geburtshelfer beigestanden. „Sie war ständig schwanger“, der Vater Analphabet, der die kommunistische Zeitung „Humanité Dimanche“ manchmal verkehrt aufschlug.

          Ein Prolet mit viel Geld

          Depardieus Buch besteht aus kurzen Kapiteln ohne viel Introspektion. Mit zehn sah er aus wie fünfzehn und verdingte sich als Stricher. Dass er mit neun an einer Vergewaltigung beteiligt gewesen sein soll, brachte ihn um einen Oscar. Putin liebt er, weil dieser „genauso wie ich“ ein Verbrecher hätte werden können. Bei Fidel Castro hat er Geschäfte gemacht. Auch über seinen Sohn Guillaume, der vor seinem frühen Tod ein Bein verloren hatte, schreibt er. Weitere Kapitel handeln von Frankreich, seinem Hass auf das Geld und seiner verlogenen Bourgeoisie. Die hasst Depardieu. Mit seinem Reichtum geht er um wie ein Prolet. Auf der Bühne trägt er einen Ohrhörer, weil er seine Rollentexte nicht mehr auswendig kennt - er musste auch schon mal abtreten, als er den Ohrhörer verlor.

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