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Veröffentlicht: 12.04.2013, 14:31 Uhr

George Soros Wie man die Europäische Union vor der Eurokrise retten kann

Vortrag vom 9. April 2013, gehalten im Center for Financial Studies der Goethe-Universität in Frankfurt am Main.

von Georg Soros
© Röth, Frank George Soros in Frankfurt am Main

Ich bin heute hier, um über die Eurokrise zu sprechen. Sie werden mir, glaube ich, alle zustimmen, dass die Krise noch lange nicht ausgestanden ist. Sie hat bereits finanziell wie politisch enorme Schäden verursacht sowie erheblichen menschlichen Tribut gefordert. Sie hat die Europäische Union in etwas radikal anderes verwandelt als ursprünglich beabsichtigt. Die Europäische Union war als freiwillige Vereinigung gleichberechtigter Staaten gedacht, doch die Krise hat sie in eine Gläubiger-Schuldner-Beziehung verwandelt, aus der es so leicht kein Entkommen gibt. Die Gläubiger drohen hohe Summen zu verlieren, sollte ein Mitgliedstaat die Union verlassen, doch die Schuldner werden einer Politik unterworfen, die die Depression, in der sie sich befinden, vertieft, ihre Schuldenlast verschlimmert und ihre untergeordnete Position zum Dauerzustand macht.

Dies hat politische Spannungen hervorgerufen, wie sie durch das Patt in Italien demonstriert werden. Eine Mehrheit ist inzwischen gegen den Euro, ein Trend, der sich weiter verstärkt. Es besteht die reale Gefahr, dass die Eurokrise die Europäische Union zerstören wird. Ein ungeordnetes Auseinanderbrechen würde Europa in schlechterem Zustand hinterlassen als jenem, in dem es sich vor Beginn des kühnen Experiments der Schaffung einer Europäischen Union befand. Dies wäre eine Tragödie von historischem Ausmaß. Sie lässt sich verhindern, aber nur mittels deutscher Führung. Deutschland hat keine dominante Stellung angestrebt und zögert bisher, die damit einhergehenden Verantwortlichkeiten und Verpflichtungen zu akzeptieren. Dies ist einer der Gründe für die Krise. Aber ob es das will oder nicht: Deutschland sitzt am Lenker, und das ist es, was mich hierher führt.

Was hat die Krise verursacht? Und wie kann sich Europa daraus befreien? Dies sind die beiden Fragen, die ich beantworten möchte. Die erste Frage ist äußerst kompliziert. Die Eurokrise hat sowohl eine politische wie eine finanzielle Dimension. Und die finanzielle Dimension hat mindestens drei Bestandteile: eine staatliche Schuldenkrise und eine Bankenkrise sowie Unterschiede bei der Wettbewerbsfähigkeit. Die verschiedenen Aspekte greifen ineinander, was die Situation so kompliziert macht, dass es einen überwältigt. Aus meiner Sicht lässt sie sich nur dann wirklich verstehen, wenn man sich die entscheidende Rolle bewusst macht, die Fehler und falsche Vorstellungen bei ihrer Schaffung gespielt haben. Die Krise ist fast völlig selbst beigebracht. Sie hat die Qualität eines Alptraums.

Die Antwort auf die zweite Frage ist dagegen äußerst einfach. Sobald wir die Probleme richtig verstanden haben, bietet sich die Lösung praktisch von selbst an.

Ich weise einen großen Teil der Verantwortung Deutschland zu. Aber ich möchte vorab klarstellen, dass ich Deutschland hierfür keine Schuld gebe. Wer immer die Verantwortung gehabt hätte, hätte ähnliche Fehler begangen. Ich kann aus persönlicher Erfahrung sagen, dass niemand die Probleme in all ihrer Komplexität zum Zeitpunkt ihres Entstehens verstanden hätte.

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