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Generationenungerechtigkeit im Museum Gehhilfe

Auch sehr kleine Kinder sollten doch mit ins Museum dürfen. In Luzern lässt man ihr Gefährt jedoch nicht einrollen - das einer anderen Altersklasse hingegen schon.

Luzern ist eine schöne Stadt. Bei gutem Wetter kann man durch die Altstadt oder an der Reuss entlangspazieren, das Löwendenkmal im Gletschergarten anstaunen, auf den Vierwaldstättersee hinaustuckern oder sich in einem der vielen Restaurants Chügelipastete servieren lassen. Bei weniger gutem Wetter bieten zahlreiche Museen Zerstreuung und Unterschlupf, darunter das Verkehrshaus, das meistbesuchte Museum der Schweiz, oder die berühmte Sammlung Rosengart mit ihren zahlreichen Werken von Paul Klee und Picasso.

Felicitas von Lovenberg Folgen:  

Bei strömendem Regen, wie er in diesem Sommer nicht ungewöhnlich ist, ließen wir uns dort von dem gewaltigen Andrang nicht abschrecken und erhielten von einer freundlichen Dame hinter einer einzigen altmodischen Registrierkasse schließlich zwei Billetts; Kinder unter sieben Jahren sind umsonst. Just, als wir die hohen Hallen betreten wollten, hielt uns die Dame aufgeregt zurück. Kinderwagen, so informierte sie uns, seien in den Ausstellungsräumen nicht gestattet. Auf die Frage, was wir denn dann ihrer Meinung nach mit unserem kleinen Sohn tun sollten, antwortete sie, den könne man ja tragen.

Rollatoren sind unerlässlich

Der Einwand, dass so ein Zwölfkilopaket mit der Zeit den Kunstgenuss doch erheblich einschränke, stieß auf Achselzucken. Dann müsse eben einer von uns beim Kind im Eingangsbereich bleiben, während der andere die Bilder anschaue. Unterdessen drohte der ohnehin schon überfüllte Vorraum mit vor Nässe dampfenden Besuchern aus allen Nähten zu platzen. Während wir noch mit der Dame des Hauses redeten, schoben gleich zwei rüstige ältere Herrschaften mit Rollatoren munter plaudernd an uns vorbei in die Ausstellung.

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Unseren bass erstaunten Blicken folgend, belehrte uns die Dame, ein Rollator sei mit einem Buggy nicht zu vergleichen, denn es handele sich dabei um eine unerlässliche Gehhilfe. Das Argument, dass der Kinderwagen für unseren knapp einjährigen Sohn ebenfalls eine unerlässliche Gehhilfe sei, wurde ignoriert. So seien nun mal die Regeln und im Übrigen prange ein Kinderwagenverbotsschild bereits draußen an der Tür. Der Eintrittspreis wurde uns korrekt erstattet, dafür der Glaube an gleiche Rechte für Jung und Alt in der Schweiz genommen. Gelernt haben wir auch etwas: Es ist nie zu früh für einen Rollator.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 28.06.2013, 16:27 Uhr

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