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Generalstreik in Spanien : Minimalservice

Willy Toledo hat sich mit einer Gruppe Schauspieler ins Madrider Teatro Español eingeschlossen. Die Protestveteranen fordern den Rücktritt des Kulturministers.

          Generalstreik. Viele Kinder gehen nicht zur Schule, auch Lehrer streiken. Die Metro fährt zu Stoßzeiten, danach nur einmal in der Stunde. „Servicios mínimos“ heißt der Ausdruck dafür, den man nicht zu übersetzen braucht. Allmählich glaube ich, das ganze Land ist ein einziger „servicio mínimo“ geworden. Letzten Sonntag haben die ersten 52 Kollegen der Zeitung „El País“ ihre Kündigung bekommen, per E-Mail. Bei dem Gedanken, ich müsste alles noch einmal aufzählen, was hier den Bach runtergeht, streike ich auch.

          Im Madrider Teatro Español läuft unterdessen eine niedliche Aktion. Eine Gruppe von Schauspielern und Mitarbeitern hat sich seit Dienstagnacht dort eingeschlossen, mit Schlafsack, Sandwiches, Getränken, um gegen die Kürzungen zu protestieren. Sie fordert den Rücktritt des Kulturministers und die Rücknahme der Mehrwertsteuererhöhung. Die Gruppe will „24 Stunden bleiben“, nennt das „legitimen und friedlichen zivilen Ungehorsam“. Aber fünf Wörter sind schon zu viel für das, was dort abläuft, denn keine Sau guckt hin.

          Im großen Saal läuft Don Quijote

          Einer der Besetzer, Willy Toledo, ist ein Routinier der Protestszene. Ich habe ihn in der algerischen Wüste erlebt. Er und seine Kumpel haben ein Transparent an den Balkon gehängt und schauen hinunter, Willy mit dem Telefon am Ohr. Wahrscheinlich filmen sie sich auch selbst. Der Ort ist hübsch. Das Teatro Español liegt mitten in der Madrider Altstadt. Im Hotel gegenüber hat Hemingway mal gewohnt, ein paar Häuser weiter ist die Kneipe „Naturbier“. Da kommt Willy jetzt nicht so leicht hin, er hat sich ja eingeschlossen, aber an diesen Aspekt der Versorgungslage wird er gedacht haben, auch in Algerien hatte er Whisky dabei.

          Reden wir mal vom Teatro Español, ich habe da angerufen, dreimal. Unter Durchwahl 1 (Direktion) hörte ich eine junge, müde Frauenstimme, die sagte: „Die Durchwahl antwortet nicht.“ Unter Durchwahl 5 (Presse) dasselbe. Als ich gar keine Zahl drückte, erklang das dröhnende Schweigen des Universums. Ich wusste aber, dass Willy und Alberto und die anderen da sind und vielleicht gerade ein Sandwich auspacken oder ein neues Transparent malen. Da ging ich ins Internet, um zu gucken, was läuft. Im kleinen Saal „Die Zeit ist ein Traum“, im großen sollte am Streiktag die Produktion „Ich bin Don Quijote von der Mancha“ uraufgeführt werden. Jetzt habe ich nur noch einen Wunsch: bitte mit Willy in der Hauptrolle.

          Paul Ingendaay

          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

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          Quelle: F.A.Z.

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