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Genehme Medien : Reiseleiter Macron

Bitte nur mit Einladung: Emmanuel Macron besucht die französischen Truppen im malischen Gao. Bild: TESSON/POOL/REX/Shutterstock

Das hat sich noch kein französischer Staatschef erlaubt: Emmanuel Macron möchte sich künftig die Journalisten aussuchen, die ihn begleiten dürfen.

          Emmanuel Macron besucht Mali, ein Land, in dem Frankreich Krieg gegen den Terrorismus führt. Auch bei Reisen in befriedetere Länder will der Präsident in Zukunft die Journalisten aussuchen, die ihn begleiten dürfen. Man kann ja nie vorsichtig genug sein. Laut ersten Umfragen ist es mit seiner Beliebtheit gar nicht so weit her. Von einem Gnadenzustand „état de grâce“, der bislang jedem Präsidenten mindestens ein paar Wochen lang beschieden war und ihm eine Mehrheit im Parlament garantierte, ist wenig zu spüren.

          An den Medien kann das nicht liegen, denn sie waren dem republikanischen Monarchen bis dato sehr wohl gesonnen. Doch der Umgang mit den im Elysee akkreditierten Korrespondenten hat anlässlich der Regierungsbildung und der ersten Kabinettssitzung für einigen Unmut gesorgt. Dass den Ministern eiserne Verhaltensregeln vorgegeben werden, ist nur zu verständlich. Nach den katastrophalen Erfahrungen mit François Hollande, der als Präsident eine unglaubliche Plaudertasche war, wie auch Nicolas Sarkozy, der sich in redaktionelle Belange einmischte, will Macron der Öffentlichkeit mit gutem Grund ein anderes Bild vermitteln. Einen Maulkorb will er den redseligen Ministern verpassen.

          Das erlaubt sich nicht mal Trump

          Nur so können sowohl die Politik wie die Medien, deren Kungelei zu den Ursachen des tiefen französischen Unbehagens gehört, an Glaubwürdigkeit gewinnen. Wie perfekt er die Spielregeln der Kommunikationsgesellschaft beherrscht, hat Macron während seiner Wahlkampagne bewiesen. Auch vor eher zynischen Methoden schreckten seine Strategen nicht zurück. Und auch noch nach dem Wahlsieg hat er zunächst alles richtig gemacht.

          Doch die Zusammenstellung seiner Reisegruppe für den Trip nach Mali wird ihm als erster Fehltritt ausgelegt. Am Tag der Abreise nach Afrika veröffentlichten die Chefredakteure der Zeitungen – von „Le Monde“ über „Libération“ bis zum „Figaro“ – wie der politischen Magazine, aber auch der privaten und öffentlich-rechtlichen Sender einen offenen Brief des Protests an die Adresse von „Monsieur le Président“.

          Dass die Korrespondenten in Gruppen eingebettet werden müssen, dass man ihre Zahl verringern will, können sie nachvollziehen. Doch dem Elysee stehe es nicht zu, die Medien und die Journalisten auszuwählen. Das „interne Funktionieren der Redaktionen“ dürfe nicht vom Präsidenten beeinflusst werden. „Keiner Ihrer Vorgänger“ sei je auf eine solche Idee gekommen, schreiben die Chefredakteure: was Reiseleiter Macron beabsichtige, sei eine Gefährdung der Pressefreiheit und befördere die fortschreitende Vermischung zwischen Journalismus und PR. Für die Ausgeschlossenen kann man auch von Zensur reden. In ihren Kommentaren in den eigenen Blättern und Sendern gehen die Chefredakteure und Medienjournalisten noch einen Schritt weiter: Was sich Emmanuel Macron ausgedacht habe, würde sich nicht einmal Donald Trump erlauben. Der Aufbruch in eine neue Ära der Beziehung zwischen Macht und Medien beginnt mit einem Fehlstart.

          Jürg     Altwegg

          Kulturkorrespondent mit Sitz in Genf.

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