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Rat für Rechtschreibung : Entscheidung über Gender-Stern vertagt

„Sprache sagt alles“: Kathrin Kunkel-Razum, die Leiterin der Dudenredaktion, in Berlin Bild: dpa

Der Rechtschreibrat hat zum Umgang mit dem Gender-Stern noch keine Entscheidung getroffen. Bis November soll es Empfehlungen geben – aber nur dann, wenn sich die Schreibungen als verständlich und lesbar erweisen.

          Das Gendersternchen, das Sprachwissenschaftler als ideologischen Eingriff in das Deutsche kritisiert hatten, wird es vorerst zumindest nicht geben. Der Rat für deutsche Rechtschreibung, der am Freitag in Wien tagte, konnte sich in seiner jüngsten Sitzung nicht auf Empfehlungen einigen. „Mögliche“ Empfehlungen an staatliche Stellen wollen die Ratsmitglieder bis November erarbeiten. Offenbar ist der Rat also keineswegs entschlossen, sich zu den Gendersternchen überhaupt verbindlich zu äußern. Aus der bisherigen Beobachtung des Schreibgebrauchs ergebe sich noch keine klare Präferenz, hieß es nach der Sitzung des Rechtschreibrats.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          In der Sitzung in Wien wurden zunächst die verschiedenen Möglichkeiten der geschlechtergerechten Schreibweisen in unterschiedlichen Textgattungen dargelegt. Nun ist eine Arbeitsgruppe damit beauftragt, weitere Texte und Schreibweisen zu sichten. Ob der Rat sich in seiner Novembersitzung dann überhaupt auf Empfehlungen einigt, ist noch nicht ausgemacht. Die Kultusminister hatten den Rat nach dem Debakel mit der Rechtschreibreform damit beauftragt, die deutsche Rechtschreibung zu beobachten und – wenn nötig – neue Schreibregeln aufzustellen, die dann auch im Duden aufgenommen werden könnten.

          Sprache meint nichts

          Der Rat ist aber keineswegs verpflichtet, alle derzeit gebräuchlichen Schreibweisen nachzuvollziehen. Sprachwissenschaftler haben auch in dieser Zeitung dargelegt, warum das nicht einmal wünschenswert wäre, denn häufig widersprechen gendergerechte Schreibweisen den grammatischen Grundregeln des Deutschen und machen Texte unlesbar. Empfehlungen wird der Rat jedoch nur dann verabschieden, wenn sich die Schreibungen als verständlich, les- und vorlesbar erweisen, grammatisch korrekt sind und rechtssicher seien, hieß es nach der Sitzung.

          Sprachwissenschaftler haben mehrfach darauf verwiesen, dass Personenbezeichnungen generisch maskulin sind, sie sind also weder weiblich noch männlich. Die Bezeichnung Lehrer schließt die Lehrerin mit ein, auch bei den Studenten sind die Studentinnen eingeschlossen. Auch männliche Befürworter des Genderns wenden dagegen ein, Frauen seien nicht mit eingeschlossen. Das kann schon deshalb nicht sein, wird dagegen eingewandt, weil Sprache nie etwas meint, sondern allenfalls der Sprecher oder Schreiber.

          Ähnlich wie der Rat hat die Dudenredaktion reagiert. In das gelbe Rechtschreibkompendium, seit der Rechtschreibreform längst nicht mehr die Bibel der deutschen Orthographie, könnte eine Empfehlung aufgenommen werden, mit welchen sprachlichen Mitteln das Gendern realisiert werden kann. Allerdings legt die Dudenredaktion Wert auf die Feststellung, dass es sich ganz gewiss nicht um eine Vorschrift, sondern nur um eine Möglichkeit handeln soll.

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