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Gemälde von van Gogh entdeckt : Das Meisterwerk verstaubte auf dem Dachboden

  • -Aktualisiert am

Das Van Gogh Museum in Amsterdam stellt ein spektakuläres neu entdecktes Spätwerk der Öffentlichkeit vor. „Sonnenuntergang bei Arles“ wurde von van Gogh selbst als „eine Dusche aus Gold“ beschrieben.

          Dass alle paar Jahre mal ein bis dahin unbekanntes Werk von Vincent van Gogh auftaucht, ist so ungewöhnlich gar nicht. Gerade in seinen frühen Jahren in den Niederlanden und der Experimentierphase in Paris verschenkte der Autodidakt an Freunde und Modelle viele Bilder. 1991 bestätigte etwa ein Möbelauktionator einem Rentnerpaar in der Nähe von Milwaukee, dass das seit Jahrzehnten über dem Sofa hängende Blumenbild von van Gogh stammt. Drei Jahre später tauchte ein sehr ähnliches Gemälde auf einem Speicher in der Schweiz auf. Die berühmten Flohmarkt- und Dachbodenfunde gibt es also selbst bei weltberühmten Künstlern wie van Gogh.

          Das großformatige Gemälde, das Louis van Tilborgh, Forschungskurator am Amsterdamer Van Gogh Museum, nun am Montagvormittag präsentierte, ist trotzdem eine kunsthistorische Sensation. Stilkritische und materialtechnische Untersuchungen in den vergangenen zwei Jahren und die Herkunftsgeschichte des Bildes haben zweifelsfrei ergeben, dass es sich um ein verschollen geglaubtes Spätwerk von Vincent van Gogh handelt. Die Leinwand hat ein gutes Jahrhundert auf einem Dachboden gelegen - in Skandinavien.

          „Eine Dusche aus Gold“

          Zu sehen ist eine Landschaft im Sonnenuntergang mit der Klosterruine Montmajour am linken Bildrand. Van Gogh hatte rund um die alte Abtei in der Nähe von Arles viel gezeichnet, in einem Brief vom 5.Juli 1888 auch von einem Gemälde berichtet: Der Maler schildert darin die Sonnenstrahlen als „eine Dusche aus Gold“. Auch im Nachlassverzeichnis, das die Familie noch im Todesjahr 1890 aufstellte, taucht das neu entdeckte Bild unter der Nummer 180 als „Sonnenuntergang bei Arles“ auf. Dieselbe Nummer findet sich auf der Rückseite der Leinwand. Recherchen ergaben nun, dass die Familie des norwegischen Margarine-Industriellen und Munch-Sammlers Christian Nicolai Mund das Gemälde um 1908 aus französischem Privatbesitz erworben hatte.

          Laut Familienüberlieferung soll dann aber ein französischer Diplomat bei einem Besuch erklärt haben, das sei mit Sicherheit kein van Gogh. Aus Scham darüber, vom Verkäufer wohl hinters Licht geführt worden zu sein, verbannte man die 93 mal 73 Zentimeter messende Leinwand tatsächlich auf den Dachboden. Nach dem Tod des Sammlers wurde das Bild dann 1991 schon einmal in Amsterdam vorgestellt. Dort hielt man es zwar für interessant - aber nicht für einen van Gogh.  Erst als ein Freund der Besitzer, der selbst in Südfrankreich lebt, die Klosterruine von Montmajour erkannte und van Goghs andere Arbeiten vom selben Ort kannte, wagte man einen zweiten Versuch.

          Ein Jahr lang soll der neue van Gogh nun ab Herbst im Amsterdamer Museum zu sehen sein. Danach geht er an seine Besitzer zurück. Den Ankauf für einen mindestens achtstelligen Betrag kann sich auch das Van Gogh Museum nicht leisten. Dem Vernehmen nach wurde es in den vergangenen Jahren auch dem Kunsthandel angeboten.

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