25.10.2012 · Man nehme Eizellen im Reagenzglas und tausche das Genom aus: In Amerika haben Forscher durch „Spindeltransfer“ menschliche Embryonen mit drei Eltern erzeugt.
Von Joachim Müller-JungRichtlinien für Lesermeinungen
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Die Keimbahntherapie birgt erhebliche Risiken. Sie gibt uns aber auch Chancen, die wir sehr vorsichtig nutzen sollten. Es ist eine Errungenschaft unserer Zivilisation nicht mehr so sehr der harten Selektion der Natur unterworfen zu sein und auch mit (vererbbaren) Krankheiten überleben zu können. Andererseits steigt damit auch unsere Abhängigkeit von der modernen Medizin. Sobald Keimbahntherapie beim Menschen zuverlässig genug eingesetzt werden kann, werden die von diesen vererbbaren Beeinträchtigungen Befreiten weniger von moderner Medizin abhängig sein. Die Grenze zwischen korregieren (der beeinträchtigten Geninformation) und kreieren (medizinisch sinnlose Änderung der Geninformation) muss durch den Gesetzgeber gezogen werden. Ich wünsche mir abgewogene Argumente vor allem der Politik, was an Keimbahntherapie sinnvoll ist und was nicht, statt eines platten Verbotes. Irgendwann zuverlässig eingesetzt, wird die Keimbahntherapie viel menschliches Leid vermeiden können.
Die Keimbahntherapie leistet das, wofür früher Mutter Natur
gesorgt hat.
Die Aufrechterhaltung und Stärkung des menschlichen Genpools. Die
moderne Medizin hält jedoch jeden Kranken so lange wie möglich
am Leben. Meistens lange genug, dass sich dieser auch noch fortpflanzen
kann. Dies schwächt den Genpool, die Menschheit wird in ihrer
Widerstandskraft immer schwächer. Anfälligkeiten für
Krankheiten werden weitervererbt. Und da sich auch erblich vorbelastete
Menschen miteinander paaren dürfen, werden die Summe der
Genschwächen immer größer.
Das wird dazu führen, dass die Menscheit irgendwann ererbt nicht
mehr überlebensfähig ist und ausstirbt.
Wir erinnern uns an Darwin und die Tatsache des "Survival of the
fittest". Das haben wir abgeschafft. Und versuchen nun dies aus
eigener Kraft zu "human" zu korrigieren.
Hurra, wir leben noch!
Nichts wurde abgeschafft: Veränderungen die nicht gefallen, sind auch Evolution
Man kann diese Sache durchaus aus der Darwinschen Position betrachten:
derzeit verhalten sich die Menschen so, dass gerade die gebildeten und
klugen von Ihrer Umwelt so beeinflußt werden, dass sie sich
weniger vermehren. Offensichtlich sind sie also von der modernen,
multi-optionalen Welt stärker irritiert, als schlichte
Gemüter. Das heißt aber im Umkehrschluß, dass das
einfache Volk anscheinend besser in diese Umwelt hineinpasst und daher
völlig zurecht mehr Nachkommen hat. Also rein evolutorisch sehe ich
hierbei überhaupt kein Problem, zumal die Eigenschaft
"schlichtes Gemüt" nicht notwendigerweise vererbt wird.
Ich sehe auch nicht, warum nun die Menschen aussterben sollten, denn es
vermehren sich ja nicht nur Degenerierte, wie ihr Beitrag weismachen
will, und wirklich schwer Kranke werden nicht erwachsen und/oder
vermehren sich nicht.
D.h. Sie bauschen hier ein Pseudo-Problem auf, um eine
größenwahnsinnige und anmaßende Methode zu legitimieren.
"der allseits gefürchteten zweiten Schöpfung...."
Allseits gefürchtet?
Offensichtlich nicht.
(Die zukünftigen Siedler im All werden nebenbei bemerkt über
diese "allseitigen Befürchtungen" nur müde
lächeln. Denn sie werden solche Methoden bitter nötig haben.)
Heilversprechen #14: die Siedler im All
Bleibt nur die Frage: wer bestimmt die Richtung der angestrebten
selbst-induzierten Evolution: die Freunde der Borgs, der Vulkanier oder
der Klingonen??
"What can be done, will be done"
Dieser Grundsatz hat seit jeher die Menschheitsgeschichte dominiert. Die deutsche Blockadehaltung in diesem Forschungsbereich bringt uns daher nicht weiter - sondern verschafft uns langfristig nur Nachteile.
Der Zweck heiligt nicht die Mittel - schon gar nicht wenn die wahren Folgen nicht abschätzbar sind
Dieses Rumgebastel am menschlichen Erbgut ist mehr als zweifelhaft und
daher m.E. völlig zurecht in D verboten. Wo ist dann noch die
Grenze zum Kind aus dem "Katalog"?
Es gibt auch noch andere Möglichkeiten, etwas gegen die ungewollte
Kinderlosigkeit zu tun. Und selbst wenn man bei einigen
Reproduktionstourismus provoziert, ist das noch lange kein Grund, die
eigenen ethische Grundsätze aufzugeben.
Die größten Verbrechen werden immer mit den besten Absichten
a priori legitimiert! Preisfrage hierbei: was sind die Gendefekte, die
man ausmerzen kann/darf/sollte ???
"Etwas mehr Demut...."
Demut ist ein Zeichen von Resignation.
Relativierung der Menschenwürde
unter dem Deckmantel der Freiheit, der guten Absichten oder des med.
Fortschritts. Ich werde mich dafür nicht einsetzen.
Im übrigen möchte ich auch vor zuviel Vertrauen in den betr.
Berufsstand und dessen Heilsversprechen warnen: bis vor kurzem war in
dieser Community Common Sense, dass die DNA zu 80% aus Junk besteht.
Mittlerweile "weiß" man das etwas besser. Etwas mehr
Demut ist also in solchen Dingen mehr als angebracht.
Die Nachfrage entscheidet
Man kann es Eltern kaum vorwerfen, wenn sie ihren Kindern die bestmöglichen körperlichen Voraussetzungen mit auf den Weg geben wollen. Und ihnen vielleicht selbst erlebtes Leid ersparen möchten. Dabei sind die Grenzen zwischen der Ausmerzung von Krankheiten / Gendefekten und der "Optimierung wünschenswerter Eigenschaften" fließend. Vom "Designer Baby" sind die momentanen Möglichkeiten allerdings noch sehr weit entfernt. Trotzdem sollten wir uns langsam von der Vorstellung verabschieden, der Mensch sei im Großen und Ganzen so wie er ist perfekt. Unser Genom ist Jahrmillionen alter Spaghetticode, eine fehleranfällige Ansammlung von Hacks und Kompromissen. Mit viel Raum für Verbesserungen. Die ethischen Probleme sehe ich eher dann, wenn nicht die Betroffenen selbst, sondern Regierungen entscheiden, wann solche Eingriffe gerechtfertigt oder wünschenswert sind.
In Deutschland leider mal wieder verboten
Ein Meilenstein im Kampf gegen ungewollte Kinderlosigkeit und
Erbkrankheiten. Leider wird Deutschland auch hier wieder im
internationalen Vergleich weit zurückfallen, wenn das deutsche
Embryonenschutzgesetz die Keimbahnbehandlung jetzt schon verbietet.
Wieder werden viele Menschen mit Kinderwunsch zu einem teuren
Reproduktionstourismus ins Ausland gezwungen.
Leider beteiligt sich auch der Autor dieses Artikels an der Angstmache.
Die jetzt mögliche Keimbahnbehandlung ist zwar ein bedeutender
Fortschritt, reicht aber nicht an eine "zweite Schöpfung"
heran.