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Zum Tod von Olaf Breidbach : Ein Meister der unerwarteten Verbindungen

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Olaf Breidbach (1957 bis 2014) Bild: Jan-Peter Kasper/FSU Universität Jena

Er zeigte, wie man sich zwischen den Disziplinen bewegen kann: Nun ist der Jenaer Wissenschaftshistoriker Olaf Breidbach, auch langjähriger Leiter des Ernst-Haeckel-Hauses, im Alter von sechsundfünfzig Jahren verstorben.

          Wer je Olaf Breidbachs Büro in der Jenaer Berggasse betreten hat, wird es wohl kaum wieder vergessen. Als eine von viel zu wenigen Universitäten in Deutschland leistet sich die Friedrich-Schiller-Universität ein eigenes Institut für Wissenschaftsgeschichte. Untergebracht ist es an geschichtsträchtigem Ort – im einstigen Wohnhaus von Ernst Haeckel. Das Arbeitszimmer des berühmten Zoologen hat sich originalgetreu erhalten und kann noch immer besichtigt werden. Wer hingegen beim Institutsdirektor unserer Tage vorsprechen wollte, musste eine Tür weiter. 

          So offen die Türen hier standen, ein Gespräch mit Breidbach setzte ein wenig Vorbereitung voraus. Denn einen Stuhl musste man sich allermeist erst frei räumen. Immer waren Stapel von losen Papieren, Büchern und Zeitschriften im Weg, dazwischen wissenschaftliche Instrumente älteren wie jüngeren Datums. Was wie Unordnung aussehen mochte, war indes Programm. Die Dinge sollten in Bewegung gehalten werden. Nur so ließen sich neue gedankliche Vernetzungen herstellen.

          Wissensordnungen im Entstehen

          Verbunden wurden dabei mühelos entlegen scheinende Wissensfelder. Von Käfern war dann die Rede, über die der 1957 geborene Breidbach eine biologische Doktorarbeit verfasst hatte und über deren neuronale Strukturen er auch später noch forschte, oder aber von der Philosophie Hegels – der Gegenstand seiner zweiten Dissertation. Am Jenaer Ernst-Haeckel-Haus, das Breidbach über zwanzig Jahre leitete, verband er diese beiden Perspektiven natur- wie geisteswissenschaftlichen Fragens zu einem übergreifenden Forschungsprogramm. „Neue Wissensordnungen“ heißt eines seiner jüngeren Bücher, und an ihnen arbeitete Breidbach selbst unermüdlich. Sein Interesse galt der Durchdringung von Grundbegriffen solcher Ordnungen: Anschauung, Gestalt, Historizität, Logik, Evolution, Kultur.

          Olaf Breidbach war ein Meister des unkonventionellen, ja des undisziplinierten Denkens. Gespräche mit ihm ähnelten Explorationen eines noch offenen, erst noch zu vermessenden Terrains. Wie sehr er hierbei auf die Kraft visueller Wahrnehmung vertraute, um sie in intellektuelle Anschauung zu wenden, machte bereits die Eigenart seines Formulierens deutlich. Sein Sprechen war durchzogen von Metaphern der Sichtbarkeit. Gewiss kein Zufall ist es daher, dass eines seiner Bücher den „Bildern des Wissens“ gewidmet war. Der erst jüngst, gemeinsam mit Federico Vercellone, als Buch vorgelegte Großessay „Anschauung denken“ wollte dem gegenwärtigen Nachdenken über das Bildliche eine neue Dimension zu geben.

          Nichts hat unsere disziplinierte Wissenschaftslandschaft so nötig wie gerade dies: undiszipliniertes Denken. Ihm entspringt jener Funken der Inspiration, der Überraschendes und Neues ermöglicht. Nun ist Olaf Breidbach nach schwerer Krankheit am 22. Juli verstorben. Sein seit Jahren verfolgtes Projekt eines Kompendiums zur Geschichte der Naturwissenschaften wird unvollendet bleiben und auch seine mit Leidenschaft betriebene „experimentellen Wissenschaftsgeschichte“  keine Fortsetzung finden. Die Impulse seines überraschenden Denkens werden fehlen.

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