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Warum Obama gewinnt Das Paradox des Präsidenten

 ·  Apathie statt Aufbruch: Gerade weil Barack Obama die affektive Lage der Nation verkörpert, wird er auch wiedergewählt werden. Es gibt verhaltenen Pessimismus, aber keine Wechselstimmung.

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© Fricke, Helmut Vergrößern

Ein an die laute Sichtbarkeit europäischer Wahlschlachten gewöhnter Tourist ohne Kenntnis von den Rhythmen amerikanischer Politik käme dieser Tage in New York, Chicago oder San Francisco kaum auf den Gedanken, dass die Vereinigten Staaten in der heißen Phase eines Wahlkampfs um das Weiße Haus stehen - und das ist nichts Neues.

Wahlen zum Amt des Sheriffs in einem County oder auch zum School Board einer Gemeinde machen hier seit jeher lokal mehr auf sich aufmerksam als Präsidentschaftswahlen. Manche Familien pflanzen zwar kleine Schilder mit dem Namen des einen oder anderen Kandidaten in den Rasen vor ihrem Eigenheim, doch das hat nichts zu tun mit der Hektik des Stimmenfangs in europäischen Wahlkämpfen.

In den Alltagsgesprächen spielt die Präsidentschaftswahl zwar schon eher eine Rolle, aber sie erreicht nie die Amplituden europäischer Polit-Erregung. Wie kann man diesen Eindruck - und diese Wirklichkeit - von Apathie erklären? Verschiedenes kommt da zusammen. Einmal, ganz praktisch gesehen, sind sich die beiden großen und allein entscheidenden Parteien, die eher als Wählerbündnisse funktionieren denn als stabile ideologische Konsensfelder, einig in der Skepsis gegenüber der Wirksamkeit von Propagandamaschinerien.

Gründe für die Wahlmattigkeit

Zwar gehört zum Repertoire demokratischer Rhetorik alle zwei Jahre eine verstimmt sozialistisch klingende Klage über das den republikanischen Kandidaten immer wieder zur Verfügung stehende größere Budget für Werbespots im Fernsehen, aber wie wirksam solche Commercials am Ende sind, weiß keiner. Ähnlich verhält es sich mit den vier Prime-Time-Diskussionen zwischen den Kandidaten für Präsidenten- und Vizepräsidentenamt: Niemand kann mit Gewissheit sagen, wie sie langfristig Wahlergebnisse beeinflussen.

Ausschlaggebend für die Wahlmattigkeit ist aber vor allem der besondere Status der zentralen Bundespolitik innerhalb der amerikanischen Bundesstaaten. Es gibt Zeiten, wo ich glaube, vor allem in Santa Clara County zu leben, vor einem kalifornischen Horizont zwar, aber von Washington weiter entfernt als während der deutschen ersten Hälfte meines Lebens.

Was die Statistiken dieses Herbstes angeht, gibt es für die Anhänger des Amtsinhabers nicht viel Grund zur Aufregung - was mich politisch naiven Neu-Amerikaner beruhigt, dem Barack Obama der liebste Präsident aller Zeiten geworden ist. Genau zwei Monate vor dem Wahltag sollen 49 Prozent von denen, die überhaupt eine Stimme abgeben werden, für Obama gewesen sein, 46 Prozent für Romney, und nur fünf Prozent hatten ihre Entscheidung noch nicht getroffen.

In den vergangenen Wochen hat sich diese Konfiguration kaum verändert, bei geringen Kursschwankungen zugunsten des Präsidenten nach der Veröffentlichung überraschend guter Statistiken vom Arbeitsmarkt; und zugunsten des Herausforderers nach der ersten Fernsehdebatte, deren Wirkung aber wohl durch die Diskussion vom vergangenen Dienstag wieder neutralisiert worden ist.

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