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Veröffentlicht: 07.05.2015, 07:08 Uhr

Seeschlacht von Salamis Als Athen zur Großmacht wurde

Wo tobte die Seeschlacht von Salamis? Eine Theorie will den Ort des Geschehens anhand der Ausrichtung des Niketempels auf der Akropolis ermitteln. Dafür spricht einiges.

von Michael Siebler
© www.bridgemanart.com Xerxes schaut entgeistert zu, wie die griechische Allianz seine Flotte versenkt; illustriert von „Look and Learn“

An einem der letzten Septembertage des Jahres 480 vor Christus fand in der Meerenge zwischen der Insel Salamis und dem Festland vor den Toren Athens eine Seeschlacht zwischen der Flotte des persischen Großkönigs Xerxes und Kriegsschiffen einer griechischen Allianz aus Athenern, Spartiaten, Aigineten, Korinthern und einigen weiteren Verbündeten statt. Am Abend des Tages hatte das griechische Flottenkontingent den übermächtigen Gegner besiegt – eine kaum fassbare Tatsache für viele der Beteiligten, vor allem für die Perser und ihren Herrscher. Auch unter den verbündeten Griechen hatten nicht wenige in den Tagen vor der Schlacht ihre berechtigte Sorge um einen guten Ausgang des Flottenunternehmens im Sund von Salamis geäußert und alternative Strategien für die bevorstehende Auseinandersetzung mit der Streitmacht des Xerxes formuliert.

Salamis war Ende und Anfang zugleich: Der Sieg läutete das Ende des persischen Eroberungszugs gegen Griechenland ein – hier insbesondere der Bestrafung Athens durch den Großkönig –, und er bedeutete den Anfang und Aufstieg der Seemacht Athens, die sich künftig im sogenannten Delisch-Attischen Seebund manifestierte; in den folgenden Jahrzehnten sollte diese Stadt in Attika zu einem kulturellen und politischen Machtzentrum heranwachsen, wie es Hellas noch nicht gesehen hatte, ja geradezu zum Synonym für das klassische Griechenland avancieren.

Infografik / Karte / Salamis © F.A.Z. Vergrößern

Der Triumph, der mit dem Sieg über das persische Landheer im Sommer darauf bei Plataiai vollständig wurde, barg für die Sieger zahlreiche politische Möglichkeiten und setzte Energien vor allem bei den Athenern frei, die bis heute Staunen, aber auch Kritik hervorrufen: Entwicklung der Demokratie, rücksichtsloser Machtanspruch gegenüber den Bundesgenossen, großartige Bauwerke auf der Akropolis, Taktieren um politischen Einfluss, Blüte von Philosophie, Tragödie und Komödie und anderes mehr.

Bewusste „Schiefe“

Ein augenscheinliches Denkmal für den Triumph über die Perser war sicherlich der kleine Tempel auf der Akropolis für Athena Nike, die siegbringende Schutzgöttin der Stadt. Der Bauauftrag wurde 448 vor Christus erteilt, als Architekt ist Kallikrates überliefert, einer der Baumeister des Parthenon; ein Baustopp aus unbekannten Gründen verhinderte die endgültige Ausführung bis in die Jahre des Nikias-Friedens, also nach 421 vor Christus. Pausanias erwähnt den Bau auf der rechten Seite des Aufgangs zur Akropolis. Auffallend sind die exponierte Lage des Niketempels auf dem mit Quadermauerwerk verkleideten Geländesporn und seine Ausrichtung. Diese ist nicht exakt ost-west-orientiert, scheint aber auch zu keinem anderen Bauwerk auf der Akropolis in explizitem Bezug zu stehen, obwohl er doch Teil deren architektonischer Neuordnung war, die in den Jahren konzipiert wurde, als Perikles der einflussreichste und diese Planung maßgeblich bestimmende Politiker Athens war.

Mag allgemein feststehen, dass die Ausrichtung des Niketempels jedenfalls in Richtung Meer und Salamis weist, also in die Richtung jener Gegend, wo Athen – der offiziellen athenischen Propaganda in Kunst und Literatur nach – seinen größten Triumph gefeiert hatte, so hat vielleicht der eine oder andere schon einmal darüber nachgedacht, ob dies dem Zufall geschuldet war oder ob das „Schiefe“ auf der Bastion des Burgbergs nicht zufällig, sondern sehr bewusst konstruiert war.

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