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Veröffentlicht: 28.07.2014, 10:33 Uhr

Plagiatsfall Schavan Tücke ist das Hauptprinzip der Verteidiger

Der Abschlussbericht der Düsseldorfer Universität zum Plagiatsverfahren gegen Annette Schavan offenbart den Klüngel deutscher Wissenschaftspolitik. Anscheinend gab es eine koordinierte Aktion, um das Verfahren zu diskreditieren.

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© dpa Der Abschlussbericht im Plagiatsverfahren gegen Annette Schavan liegt jetzt vor

Über die Parteien im Peloponnesischen Krieg schreibt Thukydides: „Den bislang gültigen Gebrauch der Worte vertauschten sie willkürlich: unbedachtes Losstürmen galt nun als Tapferkeit und Kameradschaft, vorausschauendes Zögern aber als Feigheit, Tugend als Tarnung von Angst, Klugheit als Schwäche, Tücke als Klugheit, verrückter Eifer als männlich.“ Es ist dies die klassische Stelle dafür, dass absichtliche Begriffsverwirrung zum Krieg gehört.

Jürgen Kaube Folgen:

Der Dekan der Düsseldorfer Philosophischen Fakultät, Bruno Bleckmann, ist ein eminenter Kenner des Peloponnesischen Kriegs. Für den Senat seiner Universität hat er kürzlich einen Abschlussbericht zu jenem Verfahren verfasst, das den Plagiatsverdacht gegenüber Annette Schavan - damals Bundesforschungsministerin - zu prüfen hatte.

Es endete im März mit dem Urteil des örtlichen Verwaltungsgerichts, Schavan sei der 1980 verliehene Doktortitel zu Recht aberkannt worden. Jetzt ist Bleckmanns Bericht öffentlich geworden und im Internet zu finden. Sein Sinn ergibt sich aus Thukydides. Denn die beigefügte Dokumentation zeigt, zu welchen absichtlichen Begriffsverwirrungen der Klüngel fähig ist, der die Wissenschaftspolitik in diesem Land bestimmt.

Die besondere Aneignungskultur bei Piraten

Dass die Ministerin sich an dieser Verwirrung beteiligte, etwa indem sie das Ergebnis einer Untersuchung, um die sie selbst gebeten hatte, als Ausdruck eines „irren Menschenbildes“ bezeichnete, ist dabei das Geringste. Noch im April 2014 hat sie vor Schülern behauptet, es sei ihr gar nicht „Abschreiben“ vorgeworfen worden, sondern das eine oder andere falsch gesetzte Anführungszeichen. Das belegt bestenfalls, welche kognitiven Folgen Selbstgerechtigkeit haben kann. Abschreiben ist die Unterlassung von Anführungszeichen.

Auch die Indolenz mancher politischer Gefährten, von denen keiner seine ebenso frechen wie kenntnisfreien Behauptungen über ein angeblich politisch motiviertes, sachwidriges Verfahren zurückgenommen hat, gehört zum Erwartbaren. Unbedachtes Losreden gilt als Kameradschaft. Die Meinung einiger Erziehungswissenschaftler, 1980 habe man eben so gearbeitet, die „Zitierfehler“ Schavans seien „nicht schön“, aber kein Plagiat, ließ genauso tief in die Selbsteinschätzung mancher Fächer blicken wie die Metapher „Eisbergzitat“, die der Germanist Gerhart von Graevenitz erfand, um das nur andeutungsweise Belegen von Quellen als Stil zu qualifizieren. Selbst die Gutachter waren nicht das Problem: der Seerechtler Rüdiger Wolfrum etwa, der im Verfahren die Berücksichtigung einer besonderen „Zitatkultur“ vermisste - als müsste bei Piraten eine besondere Aneignungskultur berücksichtigt werden.

Der eigentliche Skandal, den der Abschlussbericht festhält, liegt im verrückten Eifer, dem sich die Funktionärsriege der deutschen Wissenschaft hingab, um ihr Eintreten für die Netzwerkfreundin als Sorge um wissenschaftliche Standards und Fairness zu deklarieren. An diesem Skandal beteiligt haben sich der damalige Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, Peter Gruss, der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Horst Hippler, der damalige Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Wolfgang Marquardt, sein immer noch amtierender Generalsekretär, Thomas May, und sehr telefonierend auch der ehemalige Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft Ernst-Ludwig Winnacker.

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