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Philosophie des Alterns : Entscheidend ist das dreifache L

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Je älter die Menschen werden, desto mehr wird über die Probleme nachgedacht, die das Altern unserer Gesellschaft bereitet. Diese Überlegungen haben prominente Vorläufer: Mit ihren Gedanken zum Alter sind Cicero, Jacob Grimm und Ernst Bloch aktuell wie nie.

          Ob Individuum oder Gesellschaft - wer sich Gedanken über die wachsende Bedeutung des Alters macht, wirft klugerweise einen Blick in die Geschichte. Der Blick gibt der Gegenwart ein schärferes Profil. Zugleich bewahrt er sie vor einer Selbstüberschätzung. Weder ist das Altern noch sind dessen Herausforderungen neu. Selbst von den Strategien, mit denen man sich damals den Herausforderungen stellt, kann man heute noch lernen. Und im Vorübergehen erfährt man drei weitere Dinge.

          Lange vor der heutigen Altersforschung gibt es eine vorakademische, zu einem erheblichen Teil philosophische Altersforschung. Sie hat Menschen im Blick, die, zweite Provokation, lange vor der modernen Medizin ein erstaunlich hohes Alter erreichen. Der Athener Tragiker Sophokles wird neunzig Jahre alt, ebenso wie der Athener Gesetzgeber Solon, später der Skeptiker Pyrrhon; Pythagoras wird vermutlich noch älter; der Sophist Gorgias stirbt erst mit hundertneun Jahren, Platon wird immerhin achtzig Jahre alt, Cato, der Cicero zu einer der bedeutendsten Altersstudien der Weltgeschichte inspiriert, fünfundachtzig Jahre und der Stoiker Epiktet achtundachtzig Jahre.

          Praktische Fragen wurden nicht gestellt

          Die trotzdem häufigen Klagen über das Alter haben eine handfeste Grundlage: Da es keine staatliche Altersfürsorge gibt, muss man selbst Vorsorge treffen und sich entweder rechtzeitig einen hinreichenden Besitz erwerben oder auf jenen Unterhalt durch die Kinder hoffen, der aber nicht nur bei deren frühem Tod ausbleiben kann.

          Für Gelehrte sei das Alter wie Weinlese, fand Voltaire

          Ein Drittes kann man von der vorakademischen Altersforschung lernen: Man betrachte das Alter und Altern nicht primär aus funktionaler Sicht: Wie kann man die Alten möglichst effektiv und ausdauernd in die Berufs- und Sozialwelt, einschließlich der Bürgergesellschaft, integrieren?

          Statt vornehmlich von der Gesellschaft aus zu schauen und dann, freilich unausgesprochen, eine Nutzen-Kosten-Analyse vorzunehmen, vor allem im Blick auf die Berufswelt auf der einen und das Gesundheitswesen sowie die Rentenversicherung auf der anderen Seite, statt dieser Außenperspektive für die Betreffenden nehme man die Innenperspektive ein und frage nach der Würde des Alters und des Alterns.

          Das Wort „Greis“ ist tabu

          Ich wähle dafür drei Beispiele, bewusst aus verschiedenen Epochen: das erste Beispiel aus der römischen Antike, das zweite aus der fortgeschrittenen Neuzeit und das dritte aus der Fast-Gegenwart. Zuvor aber ein Blick auf die Wortgeschichte, da sie eine kondensierte Sachgeschichte enthält.

          Vor zwei oder drei Generationen durfte man noch ungeniert von einem Greis sprechen. Heute klingt es diskriminierend, obwohl es zumindest für Männer zutrifft. Wie in der Zoologie der grizzly bear den Graubären meint, so ist „Greis“, wer im Alter unvermeidlich, daher nicht ehrenrührig, grau wird. Heute spricht man lieber von Senioren oder von Betagten und Hochbetagten.

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