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Peter Wapnewski gestorben : Ein Werbender

Warnt vor schrillen Vermarktungskünstlern in Bayreuth: der Germanist Peter Wapnewski Bild: picture-alliance/ ZB

Er war einer der angesehensten Gelehrten unserer Tage und verstand es, aus der Entdeckung der Sprache ein Abenteuer zu machen. Zum Tode des Germanisten und Mittelalter-Spezialisten.

          Man muss ihn gehört haben. Wenn Peter Wapnewski über mittelhochdeutsche Texte sprach und sie rezitierte, in präziser Diktion und so lebhaft, dass sich im Augenblick des Zuhörens das illusionäre Glück von Zeitgenossenschaft mit Dichtern wie Walther von der Vogelweide oder Wolfram von Eschenbach einstellte, dann warb da ein Gelehrter spürbar um das Verständnis derer, die sich unvorbereitet, aber aufmerksam und lernwillig an seiner Hand den Texten einer längst vergangenen Epoche näherten. Dass dies dem Balancieren über einem Abgrund gleichkam, wusste er natürlich. Aber auch, dass sein Zureden und Beispiel den Kreis derjenigen, die sich dennoch darauf einlassen wollten, zuverlässig erweiterte.

          Abenteuer Sprache

          Wie sollte es anders sein: Der 1922 in Kiel geborene Wapnewski beherrschte wie kein zweiter Mediävist seiner Generation die Kunst, so elegant wie nachdrücklich das schwer Zugängliche ganz leicht zu machen, ohne dessen Substanz preiszugeben - an Universitäten, wo er seit den frühen fünfziger Jahren lehrte, bei öffentlichen Vorträgen, in Büchern oder Radiosendungen. Den Lesern dieser Zeitung war er über Jahrzehnte als kluger und kundiger Autor von thetischen Texten, Einwürfen und Rezensionen vertraut.

          Seine Präsenz war eine Mahnung: Man kann sich mit Kolportage zufriedengeben, mit Kitsch, leichter Kost. Aber wie wäre es denn, sich auf das Abenteuer einzulassen, das weniger Offenbare zu entdecken? Die Untiefen einer nachlässig gebrauchten Sprache überhaupt erst wahrzunehmen und Floskeln wie Jargon als nicht satisfaktionsfähig anzusehen?

          Harvard einen Korb

          Wapnewski war einer der angesehensten und meistausgezeichneten Gelehrten unserer Tage. Er konnte es sich leisten, aus Liebe zum sprachlichen Umfeld Harvard einen Korb zu geben und keine Kompromisse einzugehen, um irgendwo einen Posten zu ergattern oder zu behalten. Der Berliner FU kehrte er den Rücken, um in Karlsruhe zu wirken, und als man wiederum in Berlin das Wissenschaftskolleg aus der Taufe hob, kehrte er als Gründungsrektor in die damals noch geteilte Stadt zurück. Verbindlich im Umgang, streitbar in der Sache, tat er das Seine, damit von seiner Institution weithin wirksame Impulse ausgehen konnten, nicht zuletzt durch die Auswahl derer, die aus den gärenden osteuropäischen Nationen als Fellows hierherberufen wurden.

          Zu seinem Vermächtnis zählen eine zweibändige Autobiographie und eine Reihe von Hörbüchern, in denen er die mittelhochdeutschen Romane „Tristan“, „Parzival“ und „Das Nibelungenlied“ liest und erläutert. Wer sie rezipiert, wird ihrer Sprache zuverlässig verfallen - und der ihres Auslegers. Am Samstag ist Peter Wapnewski neunzigjährig in Berlin gestorben.

          Quelle: F.A.Z.

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