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Pekinger Kulturpolitik Zeit zum Teemachen ist für China sinnlos

Das Konfuzius-Institut ist für das Bild des Landes im Ausland zuständig. Jetzt verändert es seine globale Strategie: Die Empfindlichkeiten des chinesischen Staates sollen überall auf der Welt beachtet werden.

© Julia Zimmermann Vergrößern Eine Konfuzius-Statue aus Bronze vor dem Nationalmuseum in Peking (Foto von 2011)

Innerhalb von acht Jahren hat das chinesische Erziehungsministerium 398 Konfuzius-Institute in 108 Ländern errichtet, um weltweit chinesische Sprache und Kultur zu verbreiten, zwölf davon in Deutschland. Anders als etwa beim Goethe-Institut sind die einzelnen Institute Kooperationen zwischen chinesischen Universitäten mit Hochschulen am Ort, mit denen man Finanzierung und Leitung teilt.

Mark Siemons Folgen:  

Trotz oder gerade wegen der beeindruckenden Zahlen ist das Unternehmen in der akademischen Öffentlichkeit umstritten, und zwar in beiden Hemisphären. Im Westen fürchtet man, dass mit den aus Peking gewährten Geldern die sinologische Wissenschaft eingekauft und den Regeln der chinesischen Zensur unterworfen werde. In China halten es Kritiker für ein Ärgernis, so viel Geld für ausländische Forschungsprojekte hinauszuwerfen, ohne dass irgendein eigenes, über die im Westen ohnehin schon bestehenden Sprach- und Kulturvermittlungen hinausgehendes Konzept zur Geltung komme. Tatsächlich scheinen die diversen Veranstaltungsprogramme der Institute, abgesehen vom Plan für die Sprachkurse, als gemeinsamen Nenner nur die Rücksichtnahme auf die Empfindlichkeiten des chinesischen Staats zu haben.

Monopol auf Interpretation

Jetzt hat das Konfuzius-Institut eine neue Strategie vorgestellt. Auf der „Welt-Sinologie-Konferenz“, die die Zentrale der Institute zusammen mit der Renmin-Universität in Peking ausrichtete, sagte die Vorsitzende Xu Lin: „Die Konfuzius-Institute sollen den Leuten nicht nur beibringen, wie man ‚Ni hao‘ sagt oder Tee macht oder chinesische Lieder singt.“ Vielmehr will sich „Hanban“, wie die Institutszentrale heißt, jetzt aktiv an der Hervorbringung einer „neuen Generation von Sinologen und China-Forschern“ beteiligen, indem sie Forschungsstipendien für Studenten, Doktoranden, Professoren und „junge Führungspersönlichkeiten“ aus der ganzen Welt vergibt. Der „Konfuzius-China-Studien-Plan“, den Xu Lin vorstellte, orientiere sich an amerikanischen Vorbildern wie dem Eisenhower-Plan oder der Fulbright-Scholarship. Doch der damit verbundene Ehrgeiz scheint durchaus darüber hinauszugehen. Auf der Konferenz zögerte man nicht, sogar eine „Neue Sinologie“ in Aussicht zu stellen.

Es wurde allerdings nicht klar, was das genau heißen soll. Ist einfach nur gemeint, dass westliche Sinologen und chinesische Landeskundler künftig mehr zusammenarbeiten, wie es Zhang Longxi von der City University in Hongkong forderte? Oder sollen die zu fördernden „Neue Sinologen“ dadurch gekennzeichnet sein, dass sie „China lieben und die chinesische Kultur verstehen“, wie es Chen Lixia von der Pekinger Universität für Sprache und Kultur bedrohlich formulierte? „China“ und „chinesische Kultur“ sind in solchen Zusammenhängen Codewörter für die Kommunistische Partei, die das Monopol nicht nur auf die Regierung, sondern auch auf die Interpretation des Landes beansprucht.

Hoheit über alles China-Wissen

Zhao Kejin von der Pekinger Tsinghua-Universität meinte, dass China in Wirklichkeit „noch keinen Konsens über seine Public-Diplomacy-Strategie“ hergestellt habe. Jedenfalls hat der Begriff „Neue Sinologie“ bei all seiner Diffusität einen Soft-Power-Appeal, mit dem man in China heutzutage staatliche Gelder lockermachen kann. Das für die Konfuzius-Institute zuständige Erziehungsministerium befindet sich in einem permanenten Konkurrenzkampf mit dem Kulturministerium, das seinerseits Kulturzentren unter anderem in Berlin betreibt. Da kann die Verheißung, die Hoheit über das weltweite China-Wissen zu erlangen, ein entscheidender Wettbewerbsvorteil im staatsinternen Ringen um Geld und Einfluss sein.

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