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Historiographie der Sklaverei : Wer hat für die Freiheit gearbeitet?

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Phantastische Geschichtsromane spiegeln die Enttäuschung der Afroamerikaner über das Steckenbleiben der Bürgerrechtsbewegung. Unterdessen entdecken Historiker die Handlungsmacht der Sklaven.

          Im vergangenen Sommer gab die Presseabteilung des Weißen Hauses die Urlaubslektüre des damaligen Präsidenten Barack Obama bekannt. Auf der Bücherliste fand sich ein Roman, der auf besonders eindringliche Weise die Schrecken der Sklaverei in Nordamerika heraufbeschwört. Colson Whiteheads „The Underground Railroad“, in deutscher Übersetzung bei Hanser angekündigt und inzwischen mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet, beginnt auf einer besonders sinistren Baumwollplantage in Georgia, die alle dort Schuftenden sofort verlassen möchten: „Jeder Sklave denkt daran, am Morgen, am Nachmittag und in der Nacht. Träumt davon. Jeder Traum ein Traum von der Flucht.“

          Die Protagonistin des Romans, Cora, fällt die Entscheidung, sich in den Norden abzusetzen. Zusammen mit Caesar, einem anderen Sklaven, besteigt sie einen Zug. Whitehead verwandelt die metaphorische historische „Untergrundeisenbahn“ – ein informelles Netzwerk von Abolitionisten, das in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts rund einhunderttausend Sklaven die Flucht aus den Südstaaten ermöglichte – in einen tatsächlichen Zug: einen heruntergekommenen Güterwagen, der von einer Dampflokomotive durch unterirdische Gänge gezogen wird und wo immer möglich Flüchtige aufliest.

          Alternative Realitäten

          Whiteheads Untergrundbahn nimmt Cora mit auf eine Reise durch alternative Realitäten der Vereinigten Staaten. Ihr eng auf den Fersen ist Ridgeway, ein erbarmungsloser Sklavenfänger, den Whitehead als die Verkörperung der Doktrin der „Manifest Destiny“, des göttlichen Auftrags zur Expansion, entwirft: „Hier war der wahrhaftige Große Geist, das göttliche Band, das alles menschliche Bestreben verknüpft – wenn du es behalten kannst, ist es deins. Dein Besitz, Sklave oder Kontinent. Der amerikanische Imperativ.“ In North Carolina, einem Staat, der sich in Whiteheads Fiktion entschieden hat, seine schwarze Bevölkerung komplett herauszuwerfen, muss Cora auf einem Dachboden eine Art Anne-Frank-Dasein führen. Tennessee, eine weitere Station, wird von biblischen Plagen heimgesucht, eine höllische, von Gelbfieber heimgesuchte Einöde.

          Man kann nicht umhin, „The Underground Railroad“ als Allegorie auf die gegenwärtige „Rassenkrise“ in den Vereinigten Staaten zu lesen. Der Autor selbst verweist gegen Ende hingegen auf die Massaker an den Native Americans, wenn er eine Figur sagen lässt: „Amerika ist ebenfalls ein Trugbild, das größte von allen. Die weiße Rasse glaubt – sie glaubt aus tiefstem Herzen –, dass sie das Recht hat, sich das Land zu nehmen. Indianer zu töten. Krieg zu führen. Ihre Brüder zu versklaven. Falls es irgendwo Gerechtigkeit gibt in dieser Welt, dürfte diese Nation nicht existieren, denn sie beruht auf Mord, Diebstahl und Grausamkeit.“

          Verbesserung der Geschichte

          Historische Bücher über die Sklaverei in Nordamerika und ihre Abschaffung türmen sich in den Bibliotheken zu Bergen. Auch in Literatur und Film ist das Thema allgegenwärtig. Doch signalisiert eine neue Welle phantastisch-historischer Sklaverei-Romane, von denen „The Underground Railroad“ ein besonders markantes Beispiel ist, nicht zuletzt ein profundes Unbehagen, ja eine tiefe Frustration mit dem Platz Schwarzer in der gegenwärtigen amerikanischen Politik und Gesellschaft.

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